Nichts zu verzollen (F 2010)

nichts-zu-verzollenSeit dem Erfolg von „Willkommen bei den Sch’tis“ ist Filmemacher und Schauspieler Dany Boon die neue Lichtgestalt an Frankreichs Komödienhimmel. Den Clash der regionalen Kulturen pflegt er auch mit der Grenzer-Posse „Nichts zu verzollen“ und wirft einen amüsanten Blick auf Eigen- und Fremdverständnis von Belgiern und Franzosen. An Klischees wird auch diesmal nicht gespart, wenn sich Boon und der filmische Widerpart Benoit Poelvoorde („Die Anonymen Romantiker“) in einen aberwitzigen Kleinkrieg um nationale Ideale, territoriale Abgrenzung und Toleranz verstricken.

1992, kurz vor Inkrafttreten des Schengener Abkommens, verteidigt Poelvoordes Ruben die Grenzen des Vaterlands mit antifranzösischem Arbeitseifer vor dem Einfall der verhassten „Franzacken“. Ein Dorn im Auge ist ihm vor allem der französische Zollbeamte Mathias (Boon), der in heimlicher Liaison ausgerechnet mit Rubens Schwester Louise (Julie Bernard) anbandelt. Die Beziehung wird vor ihrer streng „belgischen“ Familie geheim gehalten. Als der Streit zwischen den Grenzern jedoch eskaliert, trennt sich Louise von Mathias.

Weil Rubens Verhalten mit Näherrücken des EU-Grenzabkommens immer extremere Züge annimmt, verdonnern ihn die Vorgesetzten zum Dienst in der mobilen Kontrollbrigade. Die internationale Zollkontrolle soll als Pilotprojekt je einen belgischen und französischen Beamten als Team etablieren. Um Louise zurückgewinnen, meldet sich Mathias freiwillig. Tatsächlich werden er und Ruben durch den Kampf mit veraltetem Arbeitsgerät und der Jagd auf einen Drogenschmugglerring zusammengeschweißt. Die neuerliche Eskalation ist mit Mathias Liebesgeständnis aber zwangsläufig vorprogrammiert.

Boon spielt seine humoristischen Trümpfe in Klamauk und Wortwitz sicher aus, wobei die verschiedenen kaum ins Deutsche übertragbaren Dialekte in der Synchronisation schlicht durch hiesige Mundart ersetzt werden. Im Gegensatz zu den „Sch’tis“ aber mangelt es der nur inkonsistent verschiedene Genres verknüpfenden Geschichte an Herz und den Nebenfiguren zudem an Charme. Wenig überzeugend sind auch die sporadischen ernsten Untertöne zum Thema Rassismus, da die Intoleranz in elterlicher Vererbung politisch korrekt von den vernunftorientierten Kindern ausgeräumt wird.

Allerdings werden die derben Verbalattacken Rubens gerade aufgrund der grundlegend dezent negativen Färbung der Belgier nicht vollends relativiert. Zum Lachen jedenfalls regen sie spätestens dann nicht mehr an, wenn der Grenzschützer mit gezückter Pistole Jagd auf die von ihm so verabscheuten Franzosen macht. Im Vorlauf seichter Läuterung und dem zwangsläufigen Happy End dünnt die Erzählung überdies spürbar aus. Die Hauptdarsteller bleiben sehenswert, der Film wie seine Figuren insgesamt aber zu uneinheitlich, um den Erfolg der „Sch’tis“ in kalkulierter Ähnlichkeit zu wiederholen.

Wertung: (6 / 10)

 

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