Nicht auflegen (USA 2002)

nicht-auflegenStu Shepard (Colin Farrell) ist ein arroganter, schnöseliger PR-Profi, der gern stolz wie ein Pfau durch die überfüllten Straßen von Manhattan wandelt. Mit mehr als einem Handy geht er seinen täglichen Geschäften nach, bei denen Rücksicht auf andere Menschen nicht viel zählt. Von einer Telefonzelle aus beabsichtigt der verheiratete Stu seine Geliebte Pamela (Katie Holmes) anzurufen. Aufgrund knapp bemessener Zeit möchte diese aber umgehend zurückrufen. Kurze Zeit später klingelt das Telefon, am anderen Ende der Strippe ist jedoch nicht die erwartete Pamela, sondern ein Stu Unbekannter, der schnell zur Sache kommt und ihn mit der Tatsache konfrontiert, dass ein Gewehr auf ihn gerichtet ist.

Dieser fasst den Spuk als schlechten Scherz auf, nachdem jedoch ein kleiner Plastikroboter und später ein Zuhälter direkt neben der Telefonzelle niedergeschossen werden, nimmt Stu die Person am anderen Ende der Leitung sehr ernst. Schnell wimmelt es nach dem Mord an dem Zuhälter am Tatort von Polizisten, die mit einer knappen Hundertschaft die Telefonzelle umstellen und Stu zur Aufgabe überreden wollen, schließlich ist er in ihren Augen ein bewaffneter Mörder. Der jedoch kann das „Spiel“ des Unbekannten nicht so einfach beenden, da er sonst selbst eine Kugel abbekommen würde. So entwickelt sich ein Psychoduell, bei dem neben Stu und dem Attentäter auch noch seine Frau und die Polizei mitwirken.

Filme von Joel Schumacher sind oft ein zweifelhaftes Vergnügen. Das liegt einerseits an pseudo-kontroversen Machwerken wie „Falling Down“ oder „8MM“, die in den einschlägigen Medien zwar für Aufruhr sorgten, jedoch nichts als dünne Luft zu bieten haben. In den 80ern hatte er zwischenzeitlich ein kleines Hoch, doch mit absoluten Nullnummern wie „Batman & Robin“ oder „Bad Company“ etablierte sich Schumacher mit seelenloser und glatt polierter Hollywood-Kost. Mit „Nicht auflegen“ hat er jedoch einen kurzweiligen wie spannenden Thriller gedreht, der dank ordentlicher Darsteller und beängstigender Atmosphäre zu den besseren Vertretern der letzten Jahre gehört. Im Grunde spielen sich die knapp 80 Minuten in unmittelbarer Nähe der Telefonzelle ab, in der der Leidtragende Colin Farrell (drehte mit Schumacher auch „Tigerland“) um sein Leben bangt.

Der überzeugt als arroganter Schnösel, dessen Wandel insgesamt glaubwürdig wirkt. Zu Beginn als absoluter Unsympath dargestellt, muss Farrells Figur sein Leben innerhalb weniger Minuten komplett umstellen, seiner Frau vor laufenden Kameras und etlichen Zeugen seinen Seitensprung beichten und einigen Leuten, denen er vor den Kopf gestoßen hat, die bildlich gesprochene Hand reichen. Kiefer Sutherland (spielte unter Schumacher bereits in „Flatliners“) spielt hierbei den „Vollstrecker“, der den ganzen Film über im Hintergrund bleibt und dessen Taten und Absichten nicht erläutert werden. Er taucht einfach auf, spielt mit Stu wie dieser mit anderen Leuten spielt, fühlt sich dabei in der Rolle eines Gottes und versucht mit massiver Gewalt und Einschüchterung, einem „vom Weg Abgekommenen“ wieder auf selbigen zu führen. Zu sehen ist er dabei nur in einer einzigen kurzen Szene.

In weiteren Rollen, die allerdings alle recht klein geraten sind, agieren der wieder einmal überzeugende Forest Whitaker („Panic Room“) als Polizist, Katie Holmes („Tötet Mrs. Tingle”) als Geliebte Farrells und Radha Mitchell („Pitch Black“) als dessen Frau. Doch der Film funktioniert auch ohne große darstellerische Höchstleistungen, denn die Story auf engstem Raum ist der eigentliche Pluspunkt des Films. Trotz der überschaubaren Umgebung, in der sich die Figuren bewegen, schaffen es Schumacher und Drehbuchautor Larry Cohen („Ambulance“), die Spannungsschraube konstant anzuziehen. Dazu verfällt die Erzählung glücklicherweise nicht in allzu große Klischees und auch wenn Szenen mal etwas vorhersehbar sind, so bekommt Schumacher stets die Kurve und driftet nicht in Belanglosigkeiten ab.

Auch das Ende ist überaus gelungen und alles andere hätte die vorangegangen Minuten nur kaputt gemacht. Schumacher erklärt nicht, er zeigt einfach und lässt den Zuschauer mit einigen offenen Fragen zurück, was den Film von anderen Produkten der letzten Zeit positiv abhebt und so auch länger als ein Pausenbrot im Kopf hängen bleibt. Ordentlich inszeniert, mit einigen netten optischen Spielereien, dazu ein guter Farrell und eine starke Story. 80 satte Minuten bei denen es nie langweilig wird und die perfekt getimt wirken. Gut gemacht Herr Schumacher, auch wenn fast ein wenig schwer fällt, dies zu sagen.

Wertung: (7,5 / 10)

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