Never Die Alone (USA 2004)

never-die-alone„This is not a rap video or a Quentin Tarantino movie. This is real life, your life.”

Bis zu seinem gewaltsamen Tod 1974 veröffentlichte der afroamerikanische Autor Donald Goines 18 Romane und etablierte sich als einer der meist gelesensten schwarzen Autoren seiner Zeit. Drei Jahrzehnte nach dessen Ableben entstand unter der Regie von Ernest Dickerson („Surviving the Game“, „Demon Knight“) die erste Adaption eines seiner Werke für die Leinwand. Zumindest in den vereinigten Staaten, genügt „Never Die Alone“ hierzulande doch einzig für eine Auswertung als Verleihpremiere.

In düsteren, nach Authentizität heischenden Bildern erzählt Ernest Dickerson die Geschichte des Drogendealers King David (DMX, „Cradle 2 the Grave“). Nachdem dieser seinen Boss Moon (Clifton Powell, „Dead Presidents“) um ein halbes Kilo Stoff geprellt hat, taucht er unter. Als er eines Tages in seine Heimatstadt zurückkehrt, um reinen Tisch zu machen, wird er getötet. Doch stirbt James nicht allein. Der Journalist Paul Paskoff (David Arquette, „Scream“), der den Kriminellen nur wenige Minuten kannte, wird zu seinem Vermächtnis. King James Werdegang, gebannt auf zahlreiche Tonbänder, gelangen in den Besitz des Reporters. Doch gerät damit auch dessen Leben in Gefahr.

In zahlreichen Rückblenden figuriert Ernest Dickerson den Charakter des King James. Verkörpert von Rapstar und Gelegenheitsakteur DMX, überragt dessen Darstellung des selbstgefälligen Zynikers das gewohnte Repertoire seiner schauspielerischen Qualitäten um Längen. Doch macht die überzeugende ‚Fuck You’-Attitüde allein DMX noch nicht zum akkreditierten Darsteller – und „Never Die Alone“ längst nicht zum extraordinären Action-Drama. Der Subplot des weißen Journalisten in der Schattenwelt der schwarzen Kriminellen bürgt zu Beginn für interessante Variationen der narrativen Struktur. Mit zunehmender Laufzeit verstrickt sich diese Rahmenhandlung jedoch zunehmend in unglaubwürdigen Wendungen. David Arquette mimt das kontrastlose Bindeglied zwischen romantisierter Halbwelt und harter Realität mit fachmännischer Ausdruckslosigkeit.

Der semidokumentarische Tenor, resultierend aus dem Einsatz verwackelter Handkamera, beschert „Never Die Alone“ weder Tiefgang noch Realitätsnähe. Vielmehr zwängt das Skript die Figuren in ein enges Korsett aus Rap-unterlegten Gangsta-Konventionen. Sicher ist das Potenzial der Geschichte dadurch nicht vollends verschenkt, wenngleich ohne jeglichen Erkenntnisgewinn. So wird eine namhafte Besetzung – neben den Hauptprotagonisten umschließt der Cast unter anderem Michael Ealy („Barbershop“) und Tom ‚Tiny’ Lister Jr. („Trespass”) – durch belanglose 80 Minuten Film geschliffen. Ob dies dem Erbe Donald Goines gerecht wird, darf somit ruhigen Gewissens hinterfragt werden.

Wertung: (4 / 10)

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