Nevada Pass (USA 1975)

nevadapass„Ich bin kein Mann der Gewalt.“ Es gibt wohl kaum einen Kinocharakter, dem man solch einen Ausspruch weniger abnimmt, als dem ewigen Vigilanten Charles Bronson („Death Wish“). Doch so unglaublich es klingen mag, in „Nevada Pass“ benutzt er fast ausschließlich seinen Kopf. Er ist Deakin, eine Art Wildwest-Columbo, der vor rüdem Charme sprüht und immer noch eine Frage offen hat. Wenn er denn nicht selbst unter Beobachtung steht, immerhin ist er ein steckbrieflich gesuchter Brandstifter und Betrüger. Das glaubt zumindest Marshall Pearce (Ben Johnson, „The Wild Bunch“), der Deakin an einem Haltebahnhof fest- und auf der Schiene mitnimmt.

Das Ziel jener Eisenbahn ist das entlegene, von einer Seuche anheim gefallene Fort Humboldt. An Bord befindet sich neben den benötigten Hilfsgütern eine Reihe einflussreicher Persönlichkeiten, darunter Gouverneur Fairchild (Richard Crenna, „Rambo“) nebst Verlobter Marica (Jill Ireland, „Wilde Pferde“), der Tochter des Lagerkommandanten, und Unternehmer O´Brien (Charles Durning, „Hundstage“). Als sich mysteriöse Todesfälle häufen und plötzlich die Telegrafenverbindung abreißt, spricht der in Medizin bewandte Deakin als erster die Befürchtung aller aus: Ein Mörder treibt in den Abteilen sein Unwesen.

Der spannend aufgezogene und clever konstruierte Western-Krimi geht auf ein Drehbuch von Alistair MacLean („Agenten sterben einsam“) zurück, der seinen eigenen Roman „Breakheart Pass“ für die Leinwand aufbereitete. Regie führte Tom Gries, der mit Hauptakteur Bronson auch „Der Mann ohne Nerven“ drehte. Für die atmosphärische Fotographie der winterlichen Rocky Mountains zeichnet sich Lucien Ballard verantwortlich, der allen voran durch seine Zusammenarbeit mit Sam Peckinpah – unter anderem bei „The Wild Bunch“ und „Getaway“ – bekannt wurde. Der Stimmung zuträglich ist daneben auch der Score von Routinier Jerry Goldsmith („Das Omen“, „Alien“).

Natürlich ist Deakin nicht zufällig an Bord, was zahlreiche Wendungen mit sich bringt, die nur bedingt logisch erscheinen, dafür aber die Atmosphäre anheizen. Während sich die Indizien einer groß angelegten Verschwörung mit Indianerbeteiligung erhärten, steht dem Ermittler unerwartet Armeeoffizier Claremont (Ed Lauter, „Der City-Hai“) bei. Bis zum bleihaltigen, etwas fad aufgelösten Finale, bleibt das Tempo angenehm verhalten, was durch die raue Optik und einige Härten ausbalanciert wird. Der Film bereitet Vergnügen, ohne Anspruch zwar, doch mit kompetenter Handhabe vor wie hinter Kamera. Kurzum: Kino von altem Schrot und Korn.

Wertung: (7 / 10)

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