Neurotic November – Fighting Words (2015, Victory Records)

neurotic-november-fighting-wordsMit NEUROTIC NOVEMBER und deren Label-Einstand „Anunnaki“ bewies Victory Records endlich wieder Gespür für Bands, die ausgeblichenen Trends nicht einfach hinterherlaufen. Der Metal-Hardcore mit sphärischen Parts und Sprechgesang wirkte nicht vollends ausgereift, immerhin aber weit genug vom Genre-Einerlei entfernt, um in guter Erinnerung behalten zu werden. Beim Blick auf die Folgeplatte „Fighting Words“, die im einleitenden „NNtro“ ironischen Bezug auf den Vorgänger nimmt, fällt zunächst das erneut seltsam anmutende Artwork auf. Eine Comic-Anlehnung an den Tier-Horror-Klassiker „Alligator“? Na wer’s unbedingt braucht.

Aber einmal mehr zählt der Inhalt, nicht die Verpackung. Und der zeigt schnell, in welche Richtung sich das Quintett aus Florida weiterentwickelt hat. Die sphärischen Momente sind restlos verschwunden, dafür setzt es in reger Folge Anlehnungen an den Deathcore. Die HipHop-Vocals sind zum Erkennungsmerkmal befördert worden und stehen in bisweilen krassem Gegensatz zum daneben aufbrandenden herben Gebrüll. Auf instrumentaler Ebene werden die wie Faustschläge aus den Boxen donnernden Riffs von Computersamples kontrastiert, die bisweilen wirken wie der 8-Bit-Soundtrack eines Jump ‘n‘ Run-Spiels aus den 80ern.

Zwingend gefallen muss das selbstredend nicht, aber die Konsequenz, mit der das Gespann ihre hochgezüchtete Sau durch’s Dorf treibt, beeindruckt. Den marketinggemäß bedeutsamen „Explicit Content“-Aufkleber verdienen sich NEUROIC NOVEMBER mit grenzwertigen Hasstiraden gegen Pseudo-Rockstars und andere missgünstige Zeitgenossen (vorrangig bei „Truth About You“). Der Metal-Hardcore klingt streckenweise etwas generisch, doch wird der Crossover mit dieser eigenwilligen Verbindung durchaus zu neuen Ufern geführt. Am besten allerdings ist „Fighting Words“ immer dann, wenn der Rock Einzug hält und Brecher wie „On the Come Up“ oder „The Rockstar“ angenehm variiert. Eine insgesamt so überraschende wie erfreuliche Platte.

Wertung: (7 / 10)

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