Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis (USA 1987)

neardark„The night has its price.“ – Mae

Bereits mit ihrem Regiedebüt erregte Kathryn Bigelow („Gefährliche Brandung“, „Stange Days“) Aufsehen. Der Vampir-Horrorfilm „Near Dark“ verbindet traditionelle Genre-Motive mit Elementen aus Road Movie, Thriller und Western. Die amerikanische Provinz erscheint als scheinbar rechtsfreies Niemandsland, als unwirtliche Mondlandschaft, in dem eine Blutsauger-Patchwork-Familie ihr Outlaw-Dasein auskostet. Das funktioniert trotz aller Gewalt weitgehend unbemerkt. Bis der junge Caleb (der spätere „Heroes“-Star Adrian Pasdar) zu ihnen stößt.

Eines Abends gabelt das vorlaute Landei die mysteriöse Mae auf, die, als Vampirin eigentlich auf Beutefang, Gefallen an ihm findet. Ihr Biss ereilt ihn denn auch erst, als er sie im Morgengrauen nicht ziehen lassen will. Als er sich selbst in eine Kreatur der Nacht zu verwandeln beginnt, wird er von Maes Clan in der todbringenden Mittagssonne aufgegriffen. In der Gruppe um Bürgerkriegs-Veteran Jesse (Lance Henriksen, „Aliens“) und Heißsporn Severen (Bill Paxton, „One False Move“) erhält er die Chance zur Bewährung. Doch dafür muss Caleb selbst zum Jäger werden.

„I hate when they ain´t been shaved.“ – Severen

Ziellos und fremdartig, wie die marodierenden Banditen aus Peckinpahs „The Wild Bunch“, zieht die untote Sippschaft in sicherer Entfernung zu urbanen Ballungsräumen übers Land. Bigelows ebenso ungewöhnliche wie originelle Variierung des Vampir-Mythos, in dem das V-Wort nicht einmal ausgesprochen wird, besticht durch seine Unberechenbarkeit und die schleichende Spannung. Die ungeschliffene Inszenierung mit ihren gewalttätigen Ausbrüchen bleibt fernab des Hollywood-Mainstream im Independent verwurzelt und unterstreicht die entfremdete Aura durch den stimmungsvollen Soundtrack der deutschen Elektro-Pioniere TANGERINE DREAM.

Die Herkunft und das Wesen der Vampire scheint die Regisseurin wenig zu interessieren. Umso mehr Zeit investiert sie in die Auslotung der Zerrissenheit ihrer Figuren und Calebs Zwiespalt, sich für die neue oder seine leibliche Familie – Vater und Schwester jagen ihm verzweifelt nach – entscheiden zu müssen. Bedauerlicherweise findet Bigelow zwar ein effektvolles, in seiner dramaturgischen Entwicklung jedoch nicht zwingend logisches Ende für die Blutsauger und kann den Film somit nur bedingt überzeugend auflösen. Eine simple Bluttransfusion als Heilmittel gegen Vampirismus? Von den finalen Schwächen abgesehen ein außergewöhnlicher Beitrag zum Thema.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • White Zombie (USA 1932)

    Bei allem nötigen Respekt, aber es muss die Frage erlaubt sein, ob der große George A. Romero ein Scharlatan ist? Dass er der Welt die besten Zombiefilme überhaupt geschenkt hat, kann diskussionslos konstatiert werden. Der einzige Haken daran ist, dass seine von Millionen Filmfans weltweit geliebten torkelnden Toten im Grunde genommen gar keine Zombies sind!…

  • Dan – Mitten im Leben! (USA 2007)

    Am besten ist Steve Carell immer dann, wenn er in seinen Filmen in klapprigen Karossen deutscher Herstellung fährt. Das war bei „Little Miss Sunshine“ so, in dem die neurosengeplagte Sippschaft im Anschub-bedürftigen VW-Bus über die Highways rollte – und auch bei „Dan – Mitten im Leben!“ steht der alte Mercedes Kombi stellvertretend für den seelisch…

  • Python – Lautlos kommt der Tod (USA 2000)

    Als der professionelle Mountainbiker John Cooper (Frayne Rosanoff, „Close Call“) in seine kalifornische Heimat New Haven zurückkehrt, gerät er unvermittelt in eine Reihe mysteriöser Mordfälle. Anfangs selbst der Mittäterschaft bezichtigt, entpuppt sich der Killer schnell als riesiger Python. Einst als geheimes Projekt der CIA geschaffen, um im Dschungel Südamerikas Guerillas zu eliminieren, konnte die Monsterschlange…

  • Alien Apocalypse (USA 2005)

    Film-Trash kann eine wahre Wonne sein, ein haarsträubender Hort kreativer Absonderlichkeit. Die personifizierte Qualitätsgarantie der minderen Unterhaltung ist Bruce Campbell („Bubba Ho-Tep“), der durch Sam Raimis „Tanz der Teufel“-Trilogie einschlägige Berühmtheit erlangte. Auch in Josh Beckers hanebüchener Sci-Fi-Mär „Alien Apocalypse“ füllt Campbell inhaltliches Vakuum mit einer Präsenz, als dürfe er Shakespeare den Hamlet machen und…

  • American Samurai (USA 1992)

    Der gebürtige Hawaiianer Marc Dacascos verfügt über Charisma, versierte Martial-Arts-Fähigkeiten und Schauspieltalent. Trotzdem bewegt sich seine Karriere meist auf den Pfaden formelhafter B-Movies („The Base“). Erinnerungswürdige Rollen wie jene in der Manga-Verfilmung „Crying Freeman“ (1998) oder dem Fantasy-Spektakel „Pakt der Wölfe“ (2001) änderten daran bislang wenig. Einen der ersten größeren Auftritte absolvierte Dacascos als Schurke…

  • Gun (USA 2010)

    Als Lebensziel gab Curtis Jackson, besser bekannt als 50 Cent, einmal aus, so viel Geld wie möglich verdienen zu wollen. Um dieser hoch gesteckten Ambition gerecht zu werden, verdingte er sich erst als Drogendealer, dann als Rapper, Musikproduzent und zu allem Überfluss letztlich auch als Schauspieler. Sein Credo unterstrich er dabei gleich mit der Quasi-Biographie…