Napoleon Dynamite (USA 2004)

napoleon-dynamiteWenn ein von MTV mitproduzierter Film bei den „MTV Movie Awards“ sowohl denn besten männlichen Newcomerpreis als auch den für den besten Film zugesprochen bekommt, dann sind Fragen erst einmal erlaubt. Vor allem, wenn es sich um einen Film handelt, von dem diesseits des Atlantiks bis zur Preisverleihung kaum jemand etwas gehört hat. Doch Verschwörungstheorien sind im Fall von „Napoleon Dynamite“ nicht angebracht. Er ist zwar mit Sicherheit nicht der beste Film des letzten Jahres, aber das Potential einen Publikumspreis zu gewinnen, hat er vielleicht trotzdem.

Napoleon (Jon Heder, „Funky Town“) ist einer von zwei Söhnen der exzentrischen Familie Dynamite. Sein Bruder Kip (Aaron Ruell) verbringt seine Tage in Chatrooms und seine Großmutter (Sandy Martin, „Phantasien einer Frau“) fährt Motorrad in Wüstendünen. Als sie sich dabei verletzt, kümmert sich Onkel Rico (Jon Gries, „Men in Black“) um die beiden Brüder. Doch auch sonst passiert recht viel in Napoleons Leben. Zusammen mit seinem Freund Pedro (Efren Ramirez, „Rave“) sucht er eine Verabredung für den bevorstehenden Schulball und außerdem bewirbt sich Pedro um das Amt des Schulsprechers.

Ähnlich minimalistisch wie die Story fällt eigentlich alles in „Napoleon Dynamite“ aus. Allen voran das darstellende Spiel des Ensembles. Kaum eine Gefühlsregung ist den Gesichtern der Akteure zu entnehmen, die die selten belanglose Story aus dem Herzen des offensichtlich recht obskuren Staats Idaho erzählen. Die sehr amüsant gezeichneten Charaktere des Films siedeln sich dabei irgendwo zwischen „Beavis & Butt-Head“ und Scruffy aus „Futurama“ an. Überhaupt ist die ganze Szenerie dermaßen irreal inszeniert, dass die Story, die jeder anderen Teenie-Komödie dieser Welt entnommen sein könnte, überraschend frisch transportiert wird.

Das wird gerade durch die völlig anachronistisch aufgebaute Umwelt erreicht. Wenn denn mal Musik zu hören ist, dudelt 80er-Mukke der Marke Alphaville durch die Szenerie, Kostüme wir Frisuren der Hauptprotagonisten sind ebenfalls an diese Periode angelehnt, und ist es Zufall, dass Onkel Rico unbedingt nach 1982 zurück will? Vermutlich nicht. „Napoleon Dynamite“, der erste abendfüllende Film von Regisseur Jared Hess, ist eine durchaus gelungene Indie-Komödie. Zwar zündet nicht jeder Witz, manches mal jedoch funktionieren die obskuren Situationen mit den noch viel obskureren Charakteren einfach nur fantastisch. Der Film wird sich nicht jedermanns Geschmack treffen, wer sich aber für Skurrilitäten begeistern kann, wird zweifelsfrei seinen Spaß haben.

Wertung: (7 / 10)

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