Nacht der Zombies (USA 1981)

nightofthezombiesreedVon seinen Soldaten forderte Adolf Hitler bedingungslosen Gehorsam und Vaterlandsliebe bis weit unter den Stahlhelm. Das derlei forcierte Tugenden durchaus Stoff für puren Horror-Trash liefern können, beweist Joel M. Reeds „Nacht der Zombies“. Durch seinen gefürchteten und in Deutschland bundesweit beschlagnahmten Torture-Splatter „Bloodsucking Freaks“ gelangte Reed Mitte der Siebziger zu zweifelhaftem Weltruhm. Fünf Jahre später inszenierte der heute 72-jährige mit „Nacht der Zombies“ seinen bislang letzten Film. Zumindest für Freunde abseitiger Filmkunst ein Verlust sondergleichen.

Im Vorspann darf der Führer selbst vor abgefilmten Alpengipfeln eine Rede zum besten geben. Danach wird ein bisschen Bergmannsgarn gesponnen und schon rollen die Wehrmachtszombies an. Weil dabei zwei amerikanische Wissenschaftler den Tod finden, wird Spezialagent Nick Monroe (Jamie Gillis, „Die You Zombie Bastards!“) nach Bayern gesandt. Allerdings hat der CIA mehr Interesse an der Wiederbeschaffung des verschwundenen Kampfstoffs Gamma 693, so dass der Aufklärung der Mordhintergründe erst einmal minimale Bedeutung zukommt. In München hofft Monroe auf erste Anhaltspunkte.

Als sein dortiger Informant auf der Straße von Unbekannten erstochen wird, nimmt unser Held wüst um sich ballernd die Verfolgung auf. Dann wird’s konfus: Einer der flüchtigen Mörder lauert dem toughen Agenten in einem Kellergewölbe auf, blökt amüsiert durchs Halbdunkel und lässt sich anschließend mit Blei füllen. Allerdings schien weder Geld für Einschüsse in der Oberbekleidung vorhanden, noch für Platzpatronen, weshalb die Puste auch brav „nachsynchronisiert“ werden musste. Bevor es jedoch zu Handgreiflichkeiten kommt, bleibt plötzlich das Bild stehen. Einen Lidschlag später pafft Monroe ein Pfeifchen auf der Straße, während Kontinuität und inhaltliche Geschlossenheit vom Dienst suspendiert werden.

Allmählich streift dann ein Lichtstrahl der Erkenntnis die Unwissenheit der Beteiligten. Vor Kriegsende desertierte US-Soldaten strolchen durch Bayern und halten sich dank Gamma 693 fit wie frisch geschlüpft. Bei einigen trübt der körperliche Verfall die Freude am ewigen Leben, aber für die Weltherrschaft müssen auch Opfer gebracht werden. So stapfen fahl geschminkte Statisten durch die verschneite Bergwelt des teutonischen Hochlandes und inszenieren Duelle mit kostümierten Nazischergen. Daneben schwatzen die lebenden Toten über den Fronturlaub des kommandierenden Offiziers und scherzen bis die Haut sich schält.

Erfahrungsgemäß fügen sich Untote in den Themenbereich des zweiten Weltkriegs wie Joel M. Reed ins anspruchsvolle Kinofach. Unrühmliche Beispiele bilden „Oase der Zombies“ oder „Zombie Lake“. Trotzdem scheint die vorliegende Story mit den fidel gegasten Soldaten nicht so schlecht gewesen zu sein. Denn manch drolliger Einfall findet sich auch in „Die purpurnen Flüsse 2“ wieder. Allerdings müsste Luc Besson schon nagender Verzweiflung nahe sein, um seine Inspirationen aus Trash-Granaten wie „Nacht der Zombies“ zu destillieren.

Gruselig und naiv wie ein Hörspiel von H.G. Francis plätschert der Streifen ohne nennenswerte Höhepunkte dahin. Der lässige Pseudo-Horror ist Nonsens der alten Schule, ambitioniertes Amüsement mit bajuwarischem Lokalkolorit. Optisch vollzieht sich der Nostalgiewert zwischen angestaubtem „Tatort“- oder „Der Fahnder“-Flair. Hauptakteur Jamie Gillis macht als verhinderter Jerry Cotton Laune bis zur Zwerchfellerschütterung. Hauptberuflich ist Gillis im Bereich der Hardcore-Pornografie behaftet. Seit Ende der Sechziger wirkte er in mehr als 400 Produktionen mit und gilt als einer der renommiertesten Darsteller seines Standes.

„Nacht der Zombies“ ist weder blutig noch brutal, für Splatterfans also denkbar ungeeignet. Nur trashwillige Zuschauer kommen voll auf ihre Kosten. Das liegt weniger an der professionellen deutschen Synchronisation, als vielmehr an der quietschvergnügten Schauspielerschar und den gehaltvollen Dialogen. Wenn es heißt, „Zombies, jedenfalls manche Zombies, brauchen sogar unbedingt Sonnenschein und bevorzugen fette Menschen“, wird zumindest erklärt, warum der Film seinem Titel in kaum einer Weise gerecht wird.

Mit Nebelmaschine und dollem Soundtrack kredenzt Joel M. Reed einen Hauch von Atmosphäre. Das gestaltet die illustre Mischung aus Horrorfilm und Agenten-Thriller nicht minder lachhaft, doch verfügt der Film über einen eigenwillig verschrobenen Charme. Von einem Zombie-Film im Romero´schen Sinne kann keine Rede sein. Die seinerzeit fast obligatorische Indizierung in deutschen Landen bleibt deshalb auch völlig unverständlich. Aber vermutlich haben die Zombies auch in diesem Falle mehr Unheil im Titel angerichtet, als es im eigentlichen Film der Fall war.

Wertung: (4 / 10)

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