My Bloody Valentine – Blutiger Valentinstag (CDN 1981)

my-bloody-valentine-1981„You know the rule. No women in the mine!“ – Guter Rat beeindruckt nicht: TJ

Vor dem Mord steht, wie so häufig im Slasherfilm, der Sex. „My Bloody Valentine“, oder auch „Blutiger Valentinstag“, beginnt mit schwerer Atmung. Bevor die ihre Fortführung unter der Gasmaske des Killers findet, schält sich unter Tage eine willige Blondine aus der Kluft eines Bergarbeiters. Ihr offenbar männliches Gegenüber denkt aber gar nicht daran, es ihr gleichzutun. Stattdessen rammt er sie mit dem Rücken in seine Spitzhacke, bis diese aus der Latexhaut an der Vorderseite wieder zutage tritt. Zimperlich jedenfalls geht es in George Mihalkas Schlitzer-Horror nicht zu. Der 1981 gedrehte Streifen entstand in der Hochphase des Genres und wurde von Majorstudio Paramount finanziert, das bereits mit „Freitag der 13.“ erfolgreich ins Metier der Teen-Schocker eingestiegen war.

Die von Mihalka auf Zelluloid gebannten Gewaltakte waren zwar nicht so explizit wie die ähnlicher Werke – man bedenke „The Burning“ oder „The Prowler“ –, stießen bei den Studiobossen aber dennoch auf wenig Gegenliebe. Mit der Folge, dass die derbsten Bluttaten auf dem Schneidetisch verbleiben mussten. Über viele Jahre schloss Paramount eine Veröffentlichung der ungeschnittenen Unrated-Fassung kategorisch aus. Das Flehen der Fans aber wurde letzten Endes erhört und eine komplett unzensierte Version auf DVD veröffentlicht. Die sollte Fan-Herzen denn auch tatsächlich höher schlagen lassen, verleihen die integrierten Szenen dem überdurchschnittlichen Killer-Thriller doch den ehedem zeitgemäß kompromisslosen Feinschliff. Und da es inhaltlich gewohnt schwachbrüstig zugeht, müssen es ja sowieso die Effekte richten!

Vor 20 Jahren erschütterte ein Grubenunglück die kleine amerikanische Bergarbeiterstadt. Weil zwei Schichtleiter am Valentinstag lieber dem anstehenden Tanzvergnügen als der Sicherheit der Kumpel nachhingen, kam es in der Grube zu einer Explosion. Vier Männer starben, ein Überlebender, Harry Warden, wurde Wochen später gefunden. Um zu überleben hatte er sich über die Leichen der Kollegen hergemacht. Ein Jahr später, wieder am Valentinstag, suchte er die Verantwortlichen auf und schlug ihnen in Arbeitsmontur mit einer Hacke die Herzen aus der Brust. Eine weitere traditionelle Festtagsfeier gab es danach nicht mehr. Bis zur filmischen Gegenwart, als dem Bürgermeister vor Schreck das Herz stehen bleibt, als er ein solches als Präsent in schmucker Schachtel zugestellt bekommt.

Die Warnung ist eindeutig. Harry Warden scheint zurück. Als ein weiterer Mord geschieht, wird die Festivität abgesagt. Die Twenty-Somethings des Ortes lassen sich davon aber nicht unterkriegen und verlegen die Party ungeachtet jeder Warnung aufs Minengelände. Die Folgen sind absehbar und bald hat Sheriff Newby (Don Francks) jede Menge Leichen am Hals. Wenn der Mörder aber nicht gerade mit Bergarbeiter-Outfit und subjektiver Kamera auf Opferschau geht, verstricken sich die alten Freunde TJ (Paul Kelman) und Axel (inszenierte später einige Episoden von „Die Simpsons“ und „Family Guy“: Neil Affleck) in Hahnenkämpfe um die Gunst der adretten Sarah (Lori Hallier). Die war früher mit Heimkehrer TJ, dem Sohn des Minenbesitzers liiert, der es in der Fremde nicht geschafft hat und mittellos ins Heimatkaff zurückkehrte.

So braucht es seine Zeit, bis der routiniert auf Spannung geeichte Slasher auf Touren kommt. Die Tötungsszenarien erweisen sich als einfallsreich und ausreichend makaber (man beachte das Ertränken im kochenden Wurstwasser oder die Zweckentfremdung der Dusche) gestaltet. Von einem Meilenstein kann bei „My Bloody Valentine“ nicht die Rede sein. Innerhalb seines Metiers ragt der Film jedoch aus der Masse hervor, weil neben der formalen Überzeugungskraft auch die Darsteller ansprechende Leistungen bringen. TJ-Darsteller Paul Kelman dürfte zwar nicht für die Renaissance des Halstuchs gesorgt haben, das Milieu der Opfer wurde aber häufig klischeehafter und liebloser ausgestaltet. Zum atmosphärischen Geisterbahnfinale geht es schließlich hinab ins Stollensystem, wo auch das völlig bekloppte Motiv des Täters enthüllt wird. Während man sich über das aber noch wundert, kommt das Skript gleich mit einem herrlich überzogenen Abgang um die Ecke. Wenn meuchelnde Psychopathen schon ihr filmisches Unwesen treiben müssen, dann bitte auf diese Weise!

Wertung: (6,5 / 10)

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