Mucha Sangre (E 2002)

mucha-sangre„Verdammte sexistische Wichser-Aliens.“

Der 1934 geborene Schauspieler Jacinto Molina zählt zu den renommiertesten Akteuren Spaniens. Zumindest auf dem Sektor des Horrorfilms. Oft unter dem Pseudonym Paul Naschy kreditiert, wirkte Molina im Laufe seiner Karriere in mehr als 80 Spielfilmen mit, darunter „Dracula jagt Frankenstein“ und „Nacht der Vampire“. In Pepe de las Heras‘ Regiedebüt „Mucha Sangre“ tritt Paul Naschy erneut in Erscheinung – als homosexuelles Alien mit dem Appetit auf verwesendes Menschenfleisch.

Mit Hilfe des Mitgefangenen Choro (Rodolfo Rancho, „Muertos de risa“) flieht der inhaftierte Mörder Cortaojos (Txema Sandoval, „Blinded“), genannt Schlitzer, aus dem Gefängnis. Im Zuge ihres Ausbruchs nehmen die beiden Iciar (Isabel del Toro, „El Desenlace“) als Geisel und verstecken sich auf dem Schrottplatz von Schlitzers Kumpan Tiojuan (Julio Campos). Die weitere Planung sieht vor, Gangsterboss Vicuña (Paul Naschy) einen Besuch abzustatten und Schlitzers Anteil eines zurückliegenden Überfalls einzustreichen. Die Sache hat nur einen Haken: Vicuña ist der Wirt eines außerirdischen Organismus, der sich durch anale Penetration überträgt.

„Mucha Sangre“ ist klamaukiger Splatter-Trash auf den Spuren von Peter Jacksons „Bad Taste“. Die darstellerischen Leistungen sind ebenso unbedarft wie Pepe de las Heras‘ Inszenierung, doch will sein amüsantes Erstlingswerk nicht mehr sein als kurzweilig-anarchisches Blutvergießen. Und das gibt es – ganz dem Titel entsprechend – reichlich. Zwar beschränkt sich der Blutgehalt vornehmlich auf die Perforierung von Vicuñas allesamt in schmissige gelbe Anzüge gehüllte Spießgesellen mit Handfeuerwaffen unterschiedlichstem Kalibers. Allerdings streut das von derben Zoten gesäumte Skript kontinuierlich Anzüglichkeiten und verhaltene Perversionen, die in der fortwährenden Zerstückelung des assimilierten wie scheinbar unsterblichen Tiojuan ihren makabren Höhepunkt ansteuern.

Eingefleischte Genrefans werden „Mucha Sangre“ irre finden. Der hanebüchene Plot, die infantile Freude der Protagonisten am dargebotenen Unfug und die krude Vermischung der extraterrestrischen Invasion mit Elementen des Gangster- und Zombiefilms sorgen für zeitweilige Verzückung. Parallelen zu den Anfängen von Alex de la Iglesia („Accion Mutante“) bleiben dabei unverkennbar. Doch sollte man nicht vergessen, dass der amateurhafte Streifen seinen Reiz verliert, sobald der Alkoholgehalt im Blut wieder gen Null tendiert.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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