Mr Selfridge (Series 3) (GB 2015)

mr-selfridge-series-3Die dritte Staffel von „Mr Selfridge“ beginnt mit einer Beerdigung – und einer Hochzeit. Rose, die in den ersten beiden Seasons von Frances O’Connor gespielte Gattin des Kaufhaus-Moguls Harry Selfridge (Jeremy Piven, „Entourage“), ist verstorben. Die zuletzt aufgeworfenen Ehekonflikte bleiben demnach ohne vertiefende Ausformulierung. Verstärkt wird damit der erzählerische Bruch. Denn nicht nur, dass die Handlung ins Jahr 1919 springt, ins Zentrum streben auch die mittlerweile (nahezu) erwachsenen Selfridge-Kinder George (Greg Austin), Violette (Hannah Tointon, „Penny Dreadful“) und Rosalie (Kara Tointon, „The Crime“).

Die Letztgenannte heiratet Serge De Bolotoff (Leon Ockenden, „The Cosmonaut“), dessen Mutter, Prinzessin Marie (Zoë Wanamaker, „Harry Potter und der Stein der Weisen“), die russische Aristokratenherkunft so offen zur Schau stellt, dass die relative Mittellosigkeit unverzüglich auf der Hand liegt. Lebemann und Flugzeugkonstrukteur Serge versucht Harry als Geldgeber für seine Projekte zu gewinnen. Doch der lässt sich lieber von der emanzipierten Nancy Webb (Kelly Adams, „Hustle – Unehrlich währt am längsten“) für den sozialen Wohnungsbau gewinnen. Für die Errichtung einer Siedlung mit Unterkünften für Veteranen des Ersten Weltkrieges stürzt sich der gewiefte Unternehmer gar in Schulden – und verliebt sich Hals über Kopf in Nancy. Nur sind ihre wahren Motive vom scheinbaren Edelmut weit entfernt.

Das Period-Drama in Soap-Manier enttäuscht im dritten Anlauf. Der Verdichtung aus Romanzen, Intrigen und  Schicksalsschlägen haftet – neben einer glasklaren Vorhersehbarkeit – der Hauch des Überzogenen an. Anbei entwickelt Jeremy Pivens Gutmenschen-Schlafzimmerblick gesteigertes Nervpotenzial. Dafür erhält das Bildnis des zwar fehlerhaften, in der Darstellung aber doch stets integren Geschäftsmannes vereinzelt deutliche Risse. Herbeigeführt werden diese ausgerechnet von Harrys Erznemesis Lord Loxley (herrlich snobistisch: Aidan McArdle, „The Mill“). Der attackiert den Widersacher als plötzlicher Anteilseigner im Herzen des eigenen Imperiums und prangert insbesondere die mangelnde Trennung zwischen Privatem und Geschäftlichem an.

Daneben setzt sich Loxley – in Anlehnung an gegenwärtige politische Strömungen in Europa – für alte Werte ein und stellt sich damit offen gegen Harry, der Frauen befördert und damit das traditionelle Familienbild anficht. Eine wirkliche Konsequenz erwächst aus den damit verbundenen Konflikten jedoch nicht. In der Welt von „Mr. Selfridge“ lösen sich Probleme meist irgendwie in Luft auf.  Das gilt auch für Schauwerbegestalterin Agnes (Aisling Loftus, „Stolz und Vorurteil & Zombies“) und den traumatisiert aus Verdun heimkehrenden Henri (Grégory Fitoussi, „American Odyssey“). Er kann nicht vergessen, sie findet keinen Zugang. Also kehren sie London den Rücken und werden (vorerst) aus der Handlung geschrieben.

An Problemen mangelt es den Angestellten von Selfridges insgesamt nicht: Kitty (Amy Beth Hayes, „The Syndicate“) wird von Kriegsveteranen belästigt und medial an den Pranger gestellt, worunter auch der Werdegang von Gatte Frank (Samuel West, „Suffragette“) als Autor leidet. Victor (Trystan Gravelle, „Anonymous“), mittlerweile Nachtclub-Eigner, muss sich hingegen mit korrupten Polizisten, einem Geldhai und der Liebe zur freigeistigen Violette auseinandersetzen. Miss Mardle (Amanda Abbington, „Sherlock“), die der Krieg selbst eines geliebten Menschen beraubt hat, bekommt von der Gemahlin des Kollegen und Ex-Geliebten Mr. Grove (Tom Goodman-Hill, „The Imitation Game“) ein Geheimnis anvertraut, das nach einem tragischen Unfall zur nachhaltigen Belastung wird.

Der in Harrys Fußstapfen tretende George erlangt im Kaufhaus Respekt, riskiert aber seine soziale Stellung durch die Liaison mit der einfachen Verkäuferin Grace (Amy Morgan). Nach diesem Schema werden die 10 Episoden mit seltsam trivialem Leben gefüllt. Darstellerisch gibt es wenig auszusetzen und auch das Zeitkolorit überzeugt, gegenüber dem ähnlich angelegten „Downton Abbey“ verliert „Mr Selfridge“ in dritter Instanz allerdings deutlich an Boden.

Wertung: (6 / 10)

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