Motorway (HK 2012)

motorwayFilme auf der Überholspur, also solche mit aufgemotzten Boliden im Geschwindigkeitsrausch, sind für gewöhnlich nichts für cineastische Feingeister. Eine Ausnahme ist Nicolas Winding Refns inszenatorischer Geniestreich „Drive“, der mit ungewöhnlicher Eleganz zwischen Gangster-Thriller und Beziehungs-Drama mäanderte. Action-Puristen und die „Fast and Furious“-Klientel kamen dabei nicht auf ihre Kosten. Versöhnlicher stimmen dürfte sie da schon „Motorway“, den „Dog Bite Dog“-Regisseur Soi Cheang als Adrenalin pumpendes Asphalt-Spektakel aufzieht.

Der junge Polizist Cheung (Shawn Yue, „Triangle“) ist der rasanteste Fahrer Hongkongs. Wenn er sich hinters Steuer klemmt, wird die Straße zum Schlachtfeld. Notorische Raser und illegale Rennen stoppt er mit einer Vehemenz, die seine Vorgesetzten in den Wahnsinn treibt. Gefragt ist das ganze Können des Heißsporns jedoch, als Fluchtwagenfahrer Jiang (Guo Xiadong, „True Legend“) nach Jahren wieder aktiv wird und einen befreundeten Verbrecher aus dem Gefängnis befreit. Was folgt ist ein verbissenes Duell, bei dem Blechschäden unweigerlich vorprogrammiert sind.

Der von Johnnie To („Election“) produzierte Thriller bietet ein relatives Nichts an Handlung, bläst dieses in rasanter Umsetzung aber zum sehenswerten PS-Gewitter auf. Das ist mit Darstellern wie Gordon Lam („Ip Man“) und Josie Ho („Dream Home“) auch in zweiter Reihe gut besetzt und nimmt den Fuß nur vom Gaspedal, um die Charaktere rudimentär plastisch erscheinen zu lassen. Damit sich Cheung auf Augenhöhe messen kann, bedarf es den Tipps des alternden Partners (Anthony Wong, „Vengeance“), der es mit Jiang schon Jahre zuvor zu tun bekam.

Der Rest sind quietschende Reifen und brennender Asphalt im Licht von Scheinwerfern und nächtlicher Stadtfassade. Die kinetische Kamera und der energetische Soundtrack geben dem Film Würze und helfen, die Flachheit des minimalistischen Skripts mit Vollgas zu überrollen. Der Zweikampf am Steuer spitzt sich auf einer zunehmend persönlichen Ebene konsequent zu und obwohl der Ausgang absehbar bleibt, fesselt das Geschehen bis zum Schluss. Maßstäbe setzt Soi Cheang mit „Motorway“ letztlich nicht, wem „Drive“ aber zu verkopft war, der findet hier eine stilsichere Alternative.

Wertung: (7 / 10)

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