Montreal – Schackilacki (2017, Amigo Records)

Der Samstagabend schreit nach Ausschweifung, Eskalation und Eskapaden – und die Dame des Herzens schlägt einen Kinobesuch vor. Wem existenzialistische Probleme wie dieses nicht fremd erscheinen, der ist bei MONTREAL in besten Händen. Die Hamburger erzählen auch auf ihrem sechsten Studioalbum „Schackilacki“ Geschichten aus dem Leben. Oder dem, was man mit gehörigem Augenzwinkern dafür halten mag. Wie beim erwähnten Opener „Kino?!“. Wer will, kann dem Trio also auch diesmal einen Mangel an Tiefgang vorhalten. Nur führt das weit am Kern der Sache – und Platte – vorbei: Denn die Jungs wissen einfach, wie man Songs mit hohem Ohrwurmfaktor schreibt.

Trotz poppiger Melodien geht die Scheibe nie als Kuschel-Punk durch. Denn dafür ist das Tempo einfach zu hoch. MONTREAL bieten treffsicher getexteten Eskapismus, der seine beachtliche Eingängigkeit durch Chöre und mehrstimmigen Gesang konstant zu untermauern versteht. Inhaltlich werden einmal mehr Haken geschlagen. Hier die verflossene Liebe („Was wir hatten“), dort die „Idioten der Saison“. Nicht zu vergessen die Ode auf „Osnabrück“. Oder „120 Sekunden“, das schnöden Zeitmessern zwangsläufig den Rang ablaufen dürfte. Politisch wird es hingegen bei „Einfach nur verstehen“. Zumindest ein bisschen. Schließlich ist die Nummer mehr Bestandsaufnahme als Ignoranten-Bashing. Dabei bieten die Urheber im Sinne des Verständnisses sogar den Dialog an.

Auch „Glaubensfragen“ rückt von der puren Spaßorientierung ein Stück ab. Ebenso das hintersinnige „Schöpfen aus dem Vollen“. Nett und sympathisch bleiben aber auch diese (seicht) kritischen Anflüge. Ecken, Kanten oder mehr noch Kontroversen sucht man auf „Schackilacki“ vergebens. Aber die würden auch nicht passen. MONTREAL gehen den Weg der ÄRZTE und jonglieren kurzweilig ironisch mit Klischees und Befindlichkeiten. Das funktioniert schon allein aufgrund der ausgewachsenen Spielfreude prächtig. Gute Laune ist dabei garantiert. Man muss das Leben ja nicht immer so schrecklich ernst nehmen.

Wertung: (7,5 / 10)

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