Modern Saints – Modern Saints (2016, Fond of Life Records/Shield Recordings/Hectic Society Records/Broken Silence)

modern-saints-modern-saintsIm Independent geht es nicht um Verkaufszahlen. Natürlich wollen sich auch die kleinen Bands möglichst breites Gehör verschaffen. Nur werden dort deutlich überschaubarere Brötchen gebacken. Das zeigt sich besonders bei Vinyl-Veröffentlichungen, die gern handschriftlich limitiert präsentiert werden und überhaupt Raum für Ideen schaffen, die das Besondere mehren. So wie bei MODERN SAINTS, deren selbstbetitelte EP in der Langrillen-Version Extrapunkte auf dem Fleißkärtchen sammelt. Das Cover der 12“ ist als Siebdruck auf Holz aufgebracht, die unbespielte B-Seite zudem mit einer Illustration von Dan Allen versehen. Das schafft nicht allein Eindruck, sondern auch Mehrwert.

Zweifelsfrei zeugt die Aufmachung der Platte von Herzblut. Aber was ist mit der Musik? Endlose lobhudelnde Worte über das Artwork helfen bestenfalls Sammlern weiter. Doch auch die unter der schicken Oberfläche wohnenden sechs Stücke hinterlassen positive Resonanzen. Die schöpfen sich zunächst aus der stimmig unvollkommenen Produktion, mit der das Trio aus Bielefeld seinen Sympathiewert erhöht und – man mag um das inflationäre Wörtchen nicht herumkommen – authentisch wirkt. Denn die Mischung aus Indie-Rock und Punk weckt wohlige Erinnerungen an den Emo der späten Neunziger. Szenegrößen wie die (ursprünglichen) GET UP KIDS oder JAWBREAKER steigen in den Sinn und machen rau-melodische Nummern wie „Time Keeps on Slipping“, „I Hope It Shows“ (beide bereits auf der Split mit DAN WEBB AND THE SPIDERS vorgestellt) oder „Unlearn“ zu kleinen, aber feinen Hits ohne Weichspüler oder ausgestellte Emotionalität. Nicht allein für Vinyl-Junkies ist die EP daher eine klare Empfehlung.

Wertung: (7 / 10)

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