Misconduct – United As One (2004, Side By Side Records/Golf Records)

misconduct-united-as-oneDie schwedische Band MISCONDUCT vermochte im Laufe ihres nunmehr neunjährigen Bestehens zwar eine beschauliche Fanbasis um sich zu scharen, Akzente setzte das vierköpfige Gespann aus Kristinehamn im Zuge der ersten drei veröffentlichten Longplayer jedoch kaum. Schlicht zu beliebig präsentierte sich der wenig originelle Old-School-Hardcore der Jungs einiger Lichtblicke zum Trotze in der Vergangenheit. Das brandneue Album, „United As One” betitelt, markiert an dieser Stelle derweil nicht nur die erste Platte des Quartetts unter der Regentschaft des britischen Vertreibers Golf Records, sondern bricht zudem eindrucksvoll mit dem bisher aufgezeigten Mittelmaß.

Originell ist das auf „United As One” vorgetragene Material indes noch immer nicht, dafür aber temporeich und unglaublich gefällig. Es macht schlicht gewaltigen Spaß, dieser launigen Scheibe zu lauschen, die, sauber produziert und gut gespielt, den bisher von MISCONDUCT geprägten Standard bereits kurz nach dem Start schier pulverisiert. Dabei sticht augenblicklich in die Hörmuscheln, dass die Stimmlage von Sänger Fredrik Olsson endlich mit den nach vorn preschenden Klängen seiner Mitstreiter fusioniert, während zahlreich eingesetzte Stilmittel wie die löbliche stimmliche Rückendeckung aus dem Hintergrund oder treffsicher gestreute Whoa-Whoa-Choräle für ohrwurmträchtige Songstrukturen sorgen. Tempowechsel, Breaks und eine ordentliche Portion hymnischer Refrains besorgen anbei das notwendige Maß an Abwechslung. Dass textlich ganz nebenbei der übliche Phrasenkatalog des Hardcores bemüht wird, stimmliche Parallelen zu MILLENCOLIN-Frontmann Nikola Sarcevic unüberhörbar die neue Ausrichtung prägen und das Songwriting beizeiten an die frühen NO FUN AT ALL erinnert, bremst den Spielfluss  nicht im geringsten, sondern lässt MISCONDUCT vielmehr in die Bresche des melodiösen Schweden-Cores in bester 59 TIMES THE PAIN-Tradition springen.

Präsentierte sich die letzte Scheibe des Vierers, „A New Direction”, noch eher behäbig, tritt das neue Material das Gaspedal bis zum Anschlag durch, was auch die zusätzlich aufgeführte Live-Version ihres einst flügellahmen und drucklosen Brechers „What’s Right” eindrucksvoll belegt. Zudem veredelt der 35-Sekündige Viertelpfünder „Lack of Knowledge” das Bonusprogramm der Scheibe, während ein additiver CD-Rom-Part Videoclips zu „New Beginning” und „Side By Side” enthüllt. So weist „United As One” überraschenderweise das Potential auf, als Phoenix aus der Asche verblichener Schweden-Combos, an deren Schatten sich MISCONDUCT bislang immer messen mussten, einen kleinen Klassiker des IKEA-Hardcores zu offenbaren! Nicht nur MISCONDUCTs bislang bester Longplayer, sondern schlicht die beste skandinavische Hardcore-Punk-Scheibe seit ADEHESIVEs „From Left To Right”. Fäuste in die Luft und ab dafür.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

 

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