Miozän – Ignorance (1998, Mad Mob Records)

An dieser Stelle muss es mal wieder persönlich werden. MIOZÄN sind nicht meine Lieblingsband. In meiner musikalischen Findungsphase spielen sie dennoch eine gewichtige Rolle. Ende der Neunziger gab es für mich nur Punk-Rock. Hier und da mal ein bisschen Metal, Indie oder Ska, damit hatte es sich dann aber auch. Der Hardcore war ein willkommener Zaungast. Bis mich die Wucht der alten Schule traf. Da kommen die Hannoveraner ins Spiel. Und SICK OF IT ALL, deren Debüt „Blood, Sweat and No Tears“ wesentlichen Anteil daran nahm, das Genre der barschen Rhythmen und herausgeschrienen Vocals ins Herz zu schließen.

Der längst vergangene ProMarkt auf der Düsseldorfer Erkrather Straße hatte sein Repertoire in Sachen Underground ab Mitte der Neunziger massiv aufgestockt. Viele Scheiben davon erwiesen sich als Ladenhüter. Also wurden sie irgendwann in Angebotskörbe verbannt und für Preise zwischen fünf und acht Mark verscherbelt. Darunter fanden sich eher mäßige Kapellen wie EVERYDAY MADNESS, aber auch spätere, immergrüne Favoriten wie die NEW BOMB TURKS. Und eben MIOZÄN. Auch deren ‘96er-Output „Nothing Remains“ landete irgendwann bei den sträflich missachteten Sonderangeboten – und öffnete durch Tracks wie „Nothing Has Changed“ oder „Things We Said“ die Tore in eine mitreißende Welt der barschen Klänge.

Der Scheibe folgte bald – nicht allein chronologisch – „Ignorance“. Wie die ihren Weg zu mir fand, kann ich nicht mehr rekonstruieren. Aber das vierte Album der Niedersachsen stärkte eine bis heute anhaltende Verbundenheit, zur Band und zum Old-School-Hardcore. Neu entfacht wurde diese, als ich die Vinyl-Version der Platte 2015 für schlappe fünf Euro bei Core Tex in Berlin fand. Da muss man einfach zuschlagen! An Wirkung haben die 14 Tracks übrigens nicht verloren. Schnörkellos, nach Bauart der New Yorker Ostküste, wird gekeult, gelärmt, geshoutet. Die Produktion ist angenehm rau, die Durchschlagskraft beständig. So klingt die deutsche Working Class, die sich gegen Repression und Rassismus zur Wehr setzt.

Chöre (wie bei „The Path I Take“ oder „The Call“) und zum Mitgrölen ermunternde Refrains (u. a. bei den Knallern „Hold On“ und „Step By Step“) künden von einer unbändigen Energie, von Wut, vom Willen, die Welt zumindest ein kleines Stück zu verändern. Das macht Eindruck. Bis heute. Persönliche Präferenz und nostalgische Anwandlung hin oder her, so muss Hardcore klingen!

Wertung: (7 / 10)

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