Minotaurus (GB/F/E/D/LUX 2006)

minotaurusKino lässt Geschichte lebendig werden. Manchmal unter Beihilfe der Fiktion, nicht selten unter der Ägide puren Hirngespinstes. Der aus europäischen Geldern finanzierte „Minotaurus“ bedient sich griechischer Mythologie und abgehalfterter B-Stars, um einen Fantasy-Spuk mittlerer Güte auf die Hufe zu stemmen. Ideen sind rar gesät, umso üppiger gedeihen die Klischees. Um den Appetit der Bestie – halb Mensch, halb Stier – zu bändigen, entführen die Häscher des Hohepriesters Deucalion (Tony Todd, „Candyman’s Fluch“) schmackhafte Jünglinge beider Geschlechter aus einer entlegenen Ansiedlung.

Theos (Tom Hardy, „Marie Antoinette“), Sohn des Häuptlings (Rutger Hauer, „Sin City“), hat den Verlust seiner Geliebten zu beklagen. Als er den Unkenruf vernimmt, die Holde könnte noch am Leben sein, pfeift er auf das Schicksal der dörflichen Führerschaft und lässt sich als Snack für die Monstrosität zur Mitnahme einpacken. In der Hoffnung, sie in den Tiefen des Labyrinths zu finden, welches der Minotaurus Heimat nennt, wagt er den Kampf gegen das göttlich verehrte Biest und den Kult hinter seiner gehörnten Erscheinung.

Das Ambiente ist ein ganz und gar finstres. Düster im Look und schmutzig in der Ausstattung, bedienen die Macher den Klassiker: „Conan – Der Barbar“. Auch „Minotaurus“ ist die Geschichte dessen, der auszog einer Schreckensregentschaft Einhalt zu gebieten. Mit dem Unterschied, dass Regisseur Jonathan English („Nailing Vienna“) die Ausgeburt mythologischer Unzucht in die Ästhetik von „Herkules“ und „Xena“ taucht.

Der gestandene Theatermime Tom Hardy spielt sich mit übertriebenem Ernst durch einen Film, der hätte ein launiges B-Picture werden können. Das Vergnügen aber verhagelt der Verzicht auf Ironie; nicht minder die Einfallslosigkeit der zweiten Hälfte, in der das Schreien und Rennen durch dunkle Gänge von hastigen Kamerafahrten begleitet wird. Blut wird auch verspritzt, aber es ist nicht das Herzblut ambitionierter Filmemacher. Das computeranimierte Untier ist ansehnlich geraten. Vom Skript, allen voran den Dialogen, kann dies nicht behauptet werden. Es bleibt bei sympathischen Ansätzen, verwischt vom formelhaften Stampfen unbedarfter Hufe.

Wertung: (4 / 10)

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