Millencolin – True Brew (2015, Epitaph Records)

millencolin-true-brewWer hätte gedacht, dass MILLENCOLIN noch einmal zu alter Form zurückfinden? Nach ihren Evergreens „Life On a Plate“ und insbesondere „Pennybridge Pioneers“ wagten die sympathischen Schweden den Stilwechsel und gaben sich fortan rockiger und experimentierfreudiger. Die Fan-Basis ließ sich damit zwar vergrößern, die Zahl an Hits und Hit-Alben war dem finanziellen Erfolg zum Trotz dennoch überraschend gering.

Umso erfreulicher mutet „True Brew“ an, der mittlerweile achte reguläre Langspieler (und der erste seit 2008) der ewig junggebliebenen Spaß-Punks. Auf dem zelebrieren sie den Melo-Core bisweilen wie in den späten Neunzigern – und reihen klasse Songs mit stattlichem Singalong-Potenzial aneinander. Ein paar Anläufe braucht die Scheibe, hat sie ihre Wirkung aber erst einmal entfaltet, sollte man auf ein Fülle patenter Ohrwürmer gefasst sein.

Nach dem soliden Auftakt „Egocentric Man“ sorgt das poppig angehauchte „Chameleon“ für ein erstes Aha-Erlebnis. Da ist es wieder, das lässige Nebeneinander von schicken Melodien und einprägsamen Texten. Dass sich MILLENCOLIN trotz Rückgriff auf bewährte Formeln entwickelt haben, verdeutlicht neben gehaltvolleren Themen (etwa beim Rassismus gerichteten „Sense & Sensibility“) auch die immer wieder durchscheinende Melancholie (ein Hauch von Schwermut liegt beispielsweise über dem beim Gitarrenspiel von Folk und Americana beeinflussten „Mr. Fake Believe“).

In der Hauptsache aber bietet „True Brew“ leicht ins Ohr gehende Nummern wie „Bring Me Home“, „Perfection is Boring“ oder den Titeltrack. Das Tempo ist über weite Strecken angezogen und auf irritierende Richtungsänderungen der Marke „Kemp“ wird durchweg verzichtet. Kurzum: Ein überraschend starkes Comeback.

Wertung: (7,5 / 10)

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