Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler (D 2007)

mein-fuehrerGroß sind die Diskussionen, die die erste deutsche Komödie über Adolf Hitler begleiteten. Immerhin wird hier, anders als bei Helmut Dietls großartigem „Schtonk“, nicht mit dem Mythos Führer, sondern mit dem wahrhaftigen Gröfaz Schabernack getrieben. Nicht, dass das im ausländischen Film nicht schon eine lange Tradition hätte – von „Der Große Diktator“ bis zu aktuellen „Family Guy“-Folgen –, aber trotzdem tut sich das deutsche Publikum traditionell schwer mit der Personalisierung des Diktators, siehe „Der Untergang“. Da hat es wohl auch nicht geholfen, dass Regisseur Dani Levy die Hauptrolle mit Helge Schneider besetzte.

Es sieht schlecht aus für das Dritte Reich im Winter 1944. Die Russen kommen näher, die Alliierten stehen in Europa. Sogar der Größte Feldherr Aller Zeiten, Adolf Hitler (Helge Schneider, „Texas“) hat den Glauben an den Sieg verloren. Daraus folgt ein Problem für den Propagandaminister Goebbels (Sylvester Groth, „Stalingrad“): Denn wenn nicht mal der Führer an den Sieg glaubt, wie soll er dann die Massen mobilisieren? Um diesem Dilemma zu entkommen, holt Goebbels den jüdischen Schauspieler Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe, „Das Leben der Anderen“) aus dem KZ. Er soll Hitler wieder motivieren und ihn dazu bringen, eine berauschende Rede zu halten. Doch die Probleme des Gröfaz sitzen tiefer. Von der schweren Kindheit bis zu Impotenz: Der Führer ist nicht in der Verfassung, das Reich zu führen. Und Grünbaum fühlt sich immer mehr verpflichtet, ihm zu helfen.

„Mein Führer“ ist ein Film mit zwei Gesichtern: Zum einen den großartig satirischen Teil, bestehend aus den Szenen zwischen Ulrich Mühe und Helge Schneider. Doch anscheinend bekam Dani Levy angesichts so viel Courage seinerseits etwas zu kalte Füße und setzte diesem Erzählstrang einen zweiten Gegenüber: Die Geschichte der Familie Grünbaum. Hier tut Ulrich Mühe jeden Abend Abbitte bei seinen Lieben, und dieser Gegenpart ist dermaßen davon überladen, moralische Diskurse zu führen, dass er schlicht langweilig und kitschig ist. Schade. Denn gerade Helge Schneider macht „Mein Führer“ trotzdem zu einem interessanten Film. Wenn Hilter im grünen Trainingsanzug inmitten der Reichkanzlei steht, dann ist das ganz großer Sport. Und auch der mit Hakenkreuzen verzierte Wohnraum des Führers ist ein riesiger Spaß. Schneider karikiert den Mythos vom Größten Feldherrn Aller Zeiten mit brillanter Kaltschnäuzigkeit. Zu dumm, dass er zu wenig Szenen hat. „Mein Führer“ hätte ein großer Film werden können, die Darsteller sind überwiegend gut besetzt, doch die Drehbuchschwächen machen dem Projekt einen Strich durch die Rechnung. Zu sehr wurde das satirische Element dem Gegenpart geopfert.

Wertung: (5 / 10)

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