Meat Grinder (T 2009)

meat-grinderMenschen essen Menschen. Als Sinnbild der „Wer frisst wen?“-Gesellschaft ist dies moralisch entgrenzte Schreckensszenario ein beliebtes Stilmittel des modernen Horrorfilms. Auch im Thailändischen Beitrag „Meat Grinder“ soll die Darstellung des Kannibalismus in erster Linie Ekel erzeugen. Eine Frau an der Schwelle zum Wahnsinn degradiert ihr unliebsame Zeitgenossen zu Genussware und verwandelt sie in köstliche Nudelsuppen. Während die Verköstigung aber lediglich angedeutet wird, erweist sich Regisseur, Produzent, Autor und Cutter Tiwa Moeithaisong („The Fatality“) bei der Fleischverarbeitung als weitaus zeigefreudiger.

Hinter den teils übertrieben sadistischen Gewalteinlagen steht allerdings ein Drama, dessen bittere Darstellung und bisweilen tiefe Tragik in keinem künstlerisch ausgewogenen Verhältnis zur bierernst aufgetischten Splatter-Einlage steht. Denn jene Nudelköchin Buss (Mai Charoenpura, „Memory“) wurde Zeit ihres Lebens von den Männern enttäuscht und mehr noch misshandelt. Das wahre Ausmaß ihrer seelischen Zerrissenheit wird über ungeschickt verwackelte schwarz/weiße Rückblenden veranschaulicht. Ein narrativer roter Faden entsteht so erst spät. Dafür schleichen sich unterschwellig mysteriöse Töne ein, die vor allem in Verbindung mit Buss‘ kleiner Tochter stehen.

Anfangs erscheint die tief traumatisierte Frau als manische Schlächterin: Ein Mann sucht seine verschwundene Schwester, deren Rolle sich ebenfalls später klärt. Mit scharfem Arbeitsgerät wird ihm ein Bein abgeschlagen, ehe Buss ihm im Keller Nägel durch die Fingerkuppen treibt. Was der arme Tropf im weiteren Verlauf erdulden muss, lässt jedoch vor allem an Moeithaisongs Vorstellungskraft über die Robustheit des menschlichen Körpers zweifeln. Bei diesem ersten stückweise weiterverarbeiteten Opfer soll es aber nicht bleiben. Halt findet Buss bei einem jungen Studenten (Rattanaballang Tohssawat, „Bangkok Love Story“), der von ihrem brutalen Ausbruch aus der männlichen Unterdrückung nichts ahnt.

In der Tradition garstiger Hongkong-CAT-III-Klassiker wie „The Untold Story“ (1993) oder „Ebola Syndrome“ (1996) ist auch „Meat Grinder“ ein provokanter gesellschaftlicher Spiegel. Die politische Aufgewühltheit der jüngeren thailändischen Vergangenheit wird in Andeutungen brutaler Straßenkämpfe angerissen. Was den Film trotz drastischer Gewalt aber vor dem Sumpf typischer Gewalt- und Folter-Pornos bewahrt, ist die tempoarme Konzentration auf die persönliche Tragödie einer zerrissenen Frau. Dank der intensiven Darstellung Charoenpuras erreichen diese Momente eine weit größere Wirkung als die offensiv grausamen Effekte.

Am Ende, wenn Buss durch die Liebe ihres jungen Verehrers (und selbsternannten Beschützers) zu einer Kommilitonin endgültig den Halt verliert, mündet dies brutale Zeugnis von Missbrauch und Zurückweisung in eine Tragödie, der es wie der Inszenierung insgesamt an Feinschliff fehlt. So lebt dies dezent unausgegorene Splatter-Drama je nach Betrachtungsweise durch die heftigen Effekte oder den gesellschaftlichen Abgrund. Zu kämpfen hatte der Film mit der Zensur. In Thailand fürchtete man um den guten Ruf der nationalen Küche, in Deutschland (natürlich) und sogar den USA musste vornehmlich Gewalt geschnitten werden. Unangetastet blieb „Meat Grinder“ erst in Großbritannien. Selbst beim Griff zur Import-Fassung ist diesmal also Obacht geboten!

Wertung: (5 / 10)

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