May – Die Schneiderin des Todes (USA 2002)

may-die-schneiderin-des-todesJahr um Jahr bietet das Fantasy Filmfest diversen, mitunter dezent unrühmlichen Ausgeburten internationaler Filmschaffender die Möglichkeit, der eingeräumten Verleihpremiere zumindest durch kurze Ausflüge auf die große Leinwand zu entgehen. Einer dieser Vertreter, der bitterböse Genremix „May“, ist das Regiedebüt des Amerikaners Lucky McKee und mutet angesichts der schwelgerischen Hochglanzoptik zeitweise an wie eine Episode der Teenie-Soap „Melrose Place“ auf Ecstasy!

Seit frühester Kindheit ist die unmerklich verunstaltete Veterinärs-Assistentin und Freizeitschneiderin May (Angela Bettis) eine Außenseiterin. Einziger Rückhalt ist eine hinter Glas ruhende Puppe ihrer Mutter. Nur zögerlich knüpft das verschüchterte Mauerblümchen den Kontakt zu ihrem Schwarm Adam (Jeremy Sisto), der sich anfangs auch interessiert für das Gefühlsleben Mays zeigt, sie jedoch letztlich kaltherzig abweist.

Frustriert stürzt sich May in die Arme ihrer lesbischen Kollegin Polly (Anna Faris). Doch statt Geborgenheit steht bei der vermeintlichen Freundin lediglich der gleichgeschlechtliche Sex im Mittelpunkt. So greift May in letzter Konsequenz zum Skalpell, um sich aus liebgewonnenen Einzelteilen ihrer emotionalen Peiniger die ideale Bezugsperson selbst anzufertigen.

Lucky McKees Erstling verbindet Horror mit Drama, Spannung mit schwarzem Humor, und garniert diesen makabren Cocktail mit einer Fülle an Querverweisen, etwa in Richtung „Carrie“, Takashi Miikes „Audition“ oder den Klassiker „Frankenstein“. Dabei taucht McKee in die vereinsamte Seele der zerbrechlichen May ein und bereitet den psychischen Absturz der jungen Frau unter Zuhilfenahme diverser Stilmittel des Horrorgenres auf. So sprudelt beim fidelen Kreisen des zweckentfremdeten Skalpells ordentlich roter Lebenssaft, auch wenn die Altersfreigabe ab 18 in Anbetracht diverser minder eingestufter Werke der letzten Jahre ein wenig hoch gegriffen erscheint.

Gerade in der Hauptrolle gut besetzt, überzeugen die darstellerischen Leistungen der unverbrauchten Akteure Angela Bettis („Girl, Interrupted“), Jeremy Sisto („Wrong Turn“), Anna Faris („Scary Movie“) und James Duval („Donnie Darko“) durchweg. „May“ überzeugt durch die straffe Inszenierung und die überzeugenden Schauspieler, auch wenn der kurzweilige Streifen in seiner Machart arg konventionell anmutet. Wahre Freunde, das darf als Fazit gelten, sind schwer zu finden. Es sei denn man hat die passenden Körperpartien zwecks Eigenkreation im Gefrierfach gelagert.

Wertung: (6 / 10)

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