Matrix Revolutions (USA/AUS 2003)

matrix-revolutionsSie rollt wieder an, die von Produzent Joel Silver („Phantom Commando“) sorgsam und mit Kalkül initiierte Kapitalmaschinerie „Matrix“. Der Krieg der Menschen gegen die schier übermächtigen künstlichen Intelligenzen mündet in „Revolutions“, dem finalen Teil der Trilogie, in einen entscheidenden Showdown. Bediente sich der gefürchtete Kontrollfanatiker bereits beim enttäuschenden Vorgänger „Reloaded“ einiger werbewirksamer Tricks, treibt Silver diese Verschleierungstaktik zum Abschluss der Saga durch die bis zum Zerreißen gespannte Erwartungshaltung des Publikums wahrlich auf die Spitze. Denn in den internationalen Kinos startet der Film zeitgleich und wurde im Vorfeld bei strengster Geheimhaltung der inhaltlichen Komponenten beinahe der gesamten Presse vorenthalten.

Der Erfolg gibt Silver derweil Recht, steht „Matrix Reloaded“ mit 281,5 Millionen eingespielten Dollar allein in den USA doch bislang auf Platz zwei der kassenträchtigsten Filme des Kinojahres 2003. So ist praktisch vorprogrammiert, dass die unvermeidlich scheinende Entzauberung des Mythos „Matrix“ und seiner noch ungelösten Rätsel ebenfalls einen überwältigenden kommerziellen Erfolg erzielen wird. Allerdings hält auf der Gegenseite wohl kaum mehr jemand ein künstlerisches Aufbäumen der Geschichte für möglich. Genau dies ist letztlich die prägende Erkenntnis, geleiten die Gebrüder Larry und Andy Wachowski ihr Opus vom Heiland Neo (Keanu Reeves) im Kampfe gegen die Auswüchse des digitalen Überwachungsstaates doch auf soliden Pfaden gen Abschluss. Eine packende Geschichte erzählen sie dabei jedoch nur eingeschränkt.

Vielmehr wird episodenartig der Weg Neos beschrieben, der versucht den Feldzug der Maschinen gegen die letzte menschliche Bastion Zion im Erdinneren aufzuhalten. Dabei stehen die Zeichen bald auf Abschied, wenn sich die Wege der heldenhaften Kämpfer im Untergrund endgültig trennen. Während Neo und seine Geliebte Trinity (Carrie-Anne Moss) zum Zentrum der Maschinenstadt, dem eigentlichen Motor der Matrix, aufbrechen, schlagen sich Morpheus (Laurence Fishburne), Niobe (Jada Pinkett-Smith) und die verbliebenen Gefährten in Richtung Zion durch. Für Neo scheint der finale Kampf gegen den sinistren Agent Smith (Hugo Weaving) in der simulierten Scheinwelt unausweichlich. Vor allem da dieser selbst außerhalb der digitalen Sphären in der Lage scheint, Unheil zu verbreiten.

„Matrix Revolutions“ setzt unmittelbar nach dem plötzlichen Ausklang des Vorgängers an, was den Betrachter ohne Umschweife oder langatmige Einführungen in das Geschehen eintauchen lässt. Dabei verlieren die Wachowskis kaum Zeit, den Effekte-Overkill anzukurbeln. Die dünne Handlung wird im Rausch von Actionszenarien und atemberaubend hoher Geschwindigkeit durchbrochen. Auf die Figuren wird keine Rücksicht mehr genommen, Randcharaktere im Dienste von Klischees und Pathos zum Helden getrimmt oder schlicht geopfert. Logisch erscheinen viele Aspekte längst nicht mehr, so dass Plotlöcher mit zahllosen Explosionen und Schusswechseln gestopft werden. Und doch zieht der Film in seinen Bann. Die Sci-Fi-Mär gerät zum Abschluss, vor allem gemessen am langatmigen Mittelstück, merklich düsterer, abgründiger und brutaler.

Darstellerisch liegt das „Matrix“-Universum derweil brach. Mit Ausnahme des hervorstechenden Hugo Weaving („Der Herr der Ringe“) setzen die altbackenen Heldenfiguren kaum Akzente. Keanu Reeves („Bram Stokers Dracula“) agiert solide, vergeht jedoch in ebenso trister Ausdruckslosigkeit wie Laurence Fishburne („Biker Boyz“). Mehr zu überzeugen wissen da schon Carrie-Anne Moss („Memento“) und Jada Pinkett-Smith („Set It Off“), während Monica Belluccis („Irreversible“) erneuter Auftritt als Gespielin des durchtriebenen Merowingers eher in den Gefilden eines Cameos anzusiedeln ist. Fernab der erzählerischen Faszination und der hintergründigen Raffinesse des Originals bildet „Revolutions“ eine durchweg unterhaltsame und mitunter sogar packende Zerstörungsorgie auf technisch gewohnt hohem Niveau.

So sorgen nicht nur die organischen Formen der Wächterschwärme für visuelle Augenweiden, sondern gleichwohl auch die atmosphärische Gestaltung der düsteren Maschinenstadt. Die rastlose Kamera, einmal mehr der Kontrolle Bill Popes („Darkman“) unterliegend, unterstreicht die achterbahnartigen Geschehnisse fulminant und lässt dem Zuschauer kaum Zeit zum Verschnaufen. Allerdings weisen die schier endlosen Gefechte in den Docks von Zion im weiteren Verlauf Abnutzungserscheinungen auf und wirken in ihrem gewaltigen Umfang beinahe ermüdend. So bleiben in den Wirren der knapp zweieinhalbstündigen Lauflänge große Ideen erneut Mangelware, in der Hauptsache werden lediglich Versatzstücke der Vorgänger aufgewärmt. Diese Neuinterpretation des dualen Systems erreicht ihren Höhepunkt im finalen Duell der Kontrahenten Neo und Agent Smith in den verregneten und von Duplikaten des finsteren Agenten gesäumten Straßen der Matrix. In dessen Verlauf wird einmal mehr der inszenatorischen Stärke asiatischer Vorbilder gehuldigt.

Wenn dann aber schließlich und endlich der letzte Vorhang fällt, entlassen die Brüder Wachowski ihr Publikum in eine anfangs recht unbefriedigende Auflösung ihres Universums, die zwar manch klare Antwort bereithält, den Betrachter auf der anderen Seite jedoch zur näheren Auseinandersetzung mit der im Kontext der Trilogie verborgenen Doppelbödigkeit forciert. Was steckt hinter der Matrix? Ist Neo Mensch oder Maschine? Wird der Krieg beendet? Auf all diese Fragen liefert „Matrix – Revolutions“ mehr minder eindeutige Antworten. Nur ist auch hier im Grunde nichts wie es scheint. Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen, sie zu finden wird wohl einzig die Zeit bringen.

Wertung: (6,5 / 10)

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