Martyrs (USA 2015)

martyrs-2016„It is not torture if it’s for a higher purpose.“ – Eleanor

Remakes gehen immer. Wenn Hollywood nicht gerade den eigenen Klassikerfundus plündert, sind es erfolgreiche Stoffe aus dem Ausland, die für das US-Publikum neu interpretiert werden. Das funktioniert mitunter überzeugend, bleibt meist aber hinter der Qualität des Originals zurück. Bisweilen überdeutlich. Besonders erkennbar wird das beim Umgang mit Skandalfilmen. Denn für das kommerziell getriebene Kino sind Tabubrüche Gift. Die Berechtigung der Neuverfilmung von „Martyrs“ (2008), jenem außergewöhnlichen – und außergewöhnlich derbem – Schocker Pascal Laugiers, blieb angesichts offensichtlicher Zähmung bereits im Vorfeld fraglich. Allerdings ist das nicht einmal das größte Problem dieser nach hinten raus völlig verhunzten Neuverfilmung.

Das Original ist verstörend, schwer erträglich und bietet in der existenzialistischen Suche nach einem Beweis für das Leben nach dem Tod doch Impulse, die es im Film noch nie zuvor zu sehen gab. Die von Kevin und Michael Goetz („Scenic Route“) gedrehte US-Variante folgt der Vorlage grundlegend. Jedoch trafen die Macher an den Schlüsselpunkten der Geschichte die gänzlich falschen Entscheidungen. Das gilt noch nicht für die merklich ausführlicher beleuchtete Vorgeschichte, die das Verhältnis der sich anfreundenden Waisenkinder Lucie und Anna in den Mittelpunkt rückt. Als 10-jährige konnte Lucie aus einer abseitigen Fabrikhalle fliehen, in der sie gefangen und gefoltert wurde. Seitdem wird sie von Monstern verfolgt, die sie in ihrer Einbildung verletzen.

Jahre später dringt Lucie (Troian Bellisario, „Pretty Little Liars“) ins idyllisch gelegene Haus einer Familie ein und erschießt diese kaltblütig. Die von ihr kontaktierte Anna (Bailey Noble, „True Blood“) hilft bei der Beseitigung der Leichen. Als sie auf ein geheimes Kellerverlies stößt, in dem ein junges Mädchen festgehalten wird, erhält Lucies Wahn bittere Bestätigung. Ihre Flucht wird jedoch von einer Gruppe um die kalte Eleanor (Kate Burton, „Scandal“) unterbunden, deren barbarische Forschung eine der drängendsten Fragen der Menschheit beantworten will. Dabei wird nur zu offensichtlich, dass nicht jeder Stoff für Hollywoods standardisierte Unterhaltungsfabrik geeignet ist. Für sich genommen ist der neue „Martyrs“ ein unterdurchschnittlicher Horrorfilm. Bei einem derart radikalen Original erscheint die bloße Einzelbetrachtung jedoch schlicht unmöglich.

Nach bestenfalls solidem Vorlauf erfolgt mit der eklatanten Veränderung von Lucies Schicksal der Absturz ins Bodenlose. Denn Anna wird in eine konventionelle Rächer-Rolle gedrängt, die entgegen der magenverknotenden Intensität des Vorläufers Hoffnung schürt. Vor allem das Schlussdrittel wirkt schmerzlich uninspiriert. Körper werden mit Kugeln gespickt, der Geheimbund zu einer Gruppe religiös motivierter Hinterwäldler degradiert. So verständlich es aus Sicht der Produzenten scheint, die systematische Folter nahezu auszuklammern, so folgte sie bei Laugier doch einem klaren, im Sinne der moralisch entgrenzten Geschichte nachvollziehbaren Zweck. Um das erklärte wissenschaftliche Ziel zu erreichen, mussten die Zwangsprobanden durch monatelanges Traktat bis zur Selbstaufgabe gedemütigt und entmenschlicht werden. In der Light-Version wird daraus ein angedeutet brutaler Hauch, der den Leidensweg zur  Selbstaufgabe absurd simplifiziert. Manchmal gehen Remakes eben gar nicht.

Wertung: (3 / 10)

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