Manufacturing Dissent – Michael Moore auf der Spur (CAN 2007)

manufacturing-dissent-michael-moore-auf-der-spurMichael Moore hat den Dokumentarfilm salonfähig gemacht. Sein Debüt „Roger & Me“ löste das Genre aus dem Schatten des Biederen, des Unspektakulären. Plötzlich machte die individuell aufbereitete Wirklichkeit Spaß und erreichte darüber hinaus ein Massenpublikum. Der Oscar für „Bowling for Columbine“ und die Goldene Palme für „Fahrenheit 9/11“ mehrten den Starstatus des fülligen Querulanten, der seine Werke durch geschicktes Einflechten grundlegend untypischer Elemente aufpeppt. Bereits früh wurden Stimmen laut, die ihn der Manipulation, mehr noch der Fälschung von Fakten bezichtigten. Diesen und anderen Vorwürfen spüren Debbie Melnyk und Rick Caine in „Manufacturing Dissent“ nach.

Dass sich die kanadischen Filmemacher formal am Stile ihrer Zielperson orientieren, dient dem Kern der Sache. Es geht nicht darum, dem erklärten Vorbild eins auszuwischen, sondern um die Beleuchtung des Menschen und seiner Methoden. Denn so gern Moore seine Gegenüber auch vorführt, so ungern gibt er die Fassade des tapsigen Politaktivisten auf. Behilflich ist ihm das unscheinbare Äußere. Durch Fettleibigkeit und Baseball-Cap wirkt er wie ein Fernfahrer. Das verwischt den Eindruck des knallharten Journalisten. Auf dieser Masche fußt sein Erfolgsrezept, das stets auf bürgerliche Wurzeln pocht. Dem kleinen Mann wird so ein Fürsprecher aus den eigenen Reihen zur Seite stellt. Mit beachtlicher, wenn auch bekanntermaßen populistischer Wirkung.

Melnyk und Caine heften sich während der dem Präsidentschaftswahlkampf 2004 vorangehenden „Slacker Uprising“-Tour an Moores Fersen. Über mehr als zwei Jahre sammeln sie Material und holen Stimmen ein, von Weggefährten, Gegnern und Opfern. Zum Running Gag gerät der an „Roger & Me“ angelehnte Versuch, ein Interview mit Moore zu arrangieren. Trotz der wiederholten Bekundung seiner Sympathie für Kanada ohne Erfolg. Daneben sollen heimlich gefilmte Platzverweise den Eindruck erwecken, der Protagonist wolle die Dokumentation blockieren. Die Argumente sind zwar auf menschlicher Ebene entlarvend, als Beleg einer systematischen Behinderung aber nur wenig stichhaltig.

Am überzeugendsten wirkt „Manufacturing Dissent“, dessen Titel auf ein Buch des populären Linken Noam Chomsky anspielt, wenn tatsächliche Widersprüche und Wirklichkeitsbeugungen aufgedeckt werden. Wie das in „Bowling for Columbine“ für die Eröffnung eines Kontos als Prämie ausgehändigte Gewehr, das erst nach der Überprüfung der Personalien aus einem entfernten Depot angeliefert und nicht wie von Moore dargestellt unmittelbar am Schalter übergeben wurde. In der Hauptsache aber zeichnet sich das Bild eines unsicheren, oft paranoiden Menschen ab. An der Aussagekraft seiner Filme wird das nichts ändern. Geschärft jedoch wird der Blick fürs Detail. Man soll eben nicht alles glauben, was die Medien als Fakt verkaufen.

Wertung: (7 / 10)

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