Mama (E/CDN 2013)

mama„A ghost is an emotion bent out of shape, condemned to repeat itself time and time again.“ – Fachkundig: Dr. Dreyfuss‘ Sekretärin

Die Mutterliebe gilt als das stärkste Gefühl schlechthin. Dass dies auch für Ersatzmütter gilt, verdeutlicht der von Guillermo del Toro („Pans Labyrinth“) produzierte Mystery-Thriller „Mama“. Allerdings ist dessen Auslöser der Hass eines Vaters. Nachdem der ein paar Kollegen und die Ehefrau erschossen hat, verschleppt er im Prolog die beiden Töchter und rast auf verschneiter Landstraße dem nächsten Unglück entgegen. Einen Unfall später entdecken sie im Wald eine heruntergekommene Hütte, wo der Vater neben sich auch die Kinder töten will. Gerettet werden die Mädchen jedoch durch das Eingreifen einer geisterhaften Gestalt.

Der subtil märchenhafte Tenor wird dabei bereits durch die Anfangseinblendung „Once upon a time…“ – „Es war einmal…“ – unterstrichen. Kritzelige Kindermalereien zeigen im stimmigen Vorspann, dass die Kinder von der fremden Macht quasi-adoptiert und beschützt werden. Danach geht es eher klassisch weiter, wenn mit Luke (Nikolaj Coster-Waldau, „Game of Thrones“) der Zwillingsbruder des verschwundenen Vaters ins Spiel kommt. Über fünf Jahre hat der alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Mädchen zu finden. Als diese tatsächlich in besagter Hütte aufgespürt werden, ist die Freude riesig – und doch von erwartbar kurzer Dauer.

Die achtjährige Victoria (Megan Charpentier, „Resident Evil: Retribution“) und ihre jüngere Schwester Lilly (Isabelle Nélisse) sind stark verwildert und obendrein aggressiv. Der sie untersuchende Dr. Dreyfuss (Daniel Kash, „Repo Men“) ist Künstler Luke und Musikerfreundin Annabel (Jessica Chastain, „Zero Dark Thirty“) behilflich, das Sorgerecht zu erlangen. Auch er hält die von den Kindern stets als Mama adressierte Patronin für Einbildung. Recht bald jedoch häufen sich unheimliche Vorkommnisse und als Luke nach einem Unfall ins Krankenhaus kommt, beschleicht Annabel das ungute Gefühl, dass den Kindern etwas aus dem Wald gefolgt ist.

Was Guillermo del Toro und der als Regisseur und Co-Autor in Erscheinung tretende Andrés Muschietti präsentieren, bleibt trotz überzeugender Darsteller und vielversprechendem Anfangsdrittel hinter den Möglichkeiten zurück. Dass besagte Mama wirklich existiert, daran besteht für den Zuschauer kein Zweifel. Da die erwachsenen Figuren diese Lektion aber erst schmerzlich lernen müssen, kehrt zur Filmmitte Leerlauf mit kalkulierten Geisterbahneffekten ein. An Atmosphäre mangelt es dem stimmungsvoll bebilderten, auf Muschiettis gleichnamigem Kurzfilm von 2008 basierenden Film nicht. Wohl aber an erzählerischen Mitteln abseits der Mystery-Norm. Für die steht auch das durchwachsene Finale, das zwar abermals den märchenhaften Charakter bemüht, wie die Geistermutter insgesamt aber schlicht zu beliebig bleibt. Mit echter (Mutter-)Liebe hat das wenig gemein.

Wertung: (6 / 10)

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