Malkovich – A Criminal Record (2004, Reflections Records)

malkovich-a-criminal-record„We created a classical masterpiece dedicated to vultures, shaved pussies and total doom.”

Darf man sich dazu erdreisten, einer solchen, die eigene Kreativität mit wahrhaft gesegneter Selbsteinschätzung bekräftigenden Aussage Wiederspruch entgegenwehen zu lassen? Im Falle von MALKOVICH und deren lang erwartetem Debüt-Langspieler „A Criminal Record” definitiv nicht! Denn was das fünfköpfige Gespann aus den Niederlanden im Zuge des dreckigen Dutzend Songs durch die Boxen fegen lässt, ist an aus den Fugen geratenem Post-Hardcore kaum zu überbieten. Völligem Chaos huldigend und doch wohl strukturiert, watscht Track an Track den unverzüglich gebannt lauschenden Hörer ab, gewährt neben konsterniertem Staunen überdies kaum Luft zum Verschnaufen.

MALKOVICH hebeln Genre-Grenzen aus den Angeln, folgen einer individuellen Gesetzgebung der kontrastreichen Vermengung differenter Stilgattungen und kreieren auf diese Weise ein unkontrollierbares Panoptikum der Grandiosität. „A Criminal Record” ist ein hirnfickender Hurensohn von einem Album, enervierend und allen voran unberechenbar. Trotz zarter Anleihen bei GIVE UP THE GHOST und REFUSED offenbart sich jedoch vordergründig eine gewisse Artverwandtschaft mit den Finnischen ENDSTAND und den Japanischen 1000 TRAVELS OF JAWAHARLAL. Doch trennen diese Ausnahmebands zur Beruhigung aller in schriller Panik „Plagiatismus” röchelnden Puristen nicht nur geographische Entfernungen, sondern dankbarerweise auch Stilistische. Dass MALKOVICH ganz nebenbei jegliche Songs mit zweistelligen Ziffern titulieren, grenzt neben zu erahnender Bruderschaft im Geiste mit dem ominösen Graf Zahl an numerologische Passion, welche sich im übrigen ganz hervorragend an die visuelle Prägnanz des aussergewöhnlichen Artworks schmiegt.

Zwar klingt „A Criminal Record”, um den Kreis in weiser Finalität zu schließen, mehr nach völligem Verhängnis als rasierter Pussy, doch ist die Scheibe ein schieres Freudenfest für alle Befürworter vertrackt-noisiger musikalischer Grundgesinnung. Ein wahres Monster.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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