Malatesta’s Carnival of Blood (USA 1973)

Als mysteriöse Horte des Grauens pflegen Rummelplätze ihre Berechtigung im Horrorfilm. Man denke nur an „Carnival of Souls“ (1962), „The Funhouse“ (1981) oder „Carnival of Blood“ (1970). Verwechslungsgefahr mit dem Letztgenannten besteht beim drei Jahre später vorgelegten „Malatesta’s Carnival of Blood“, mit dem Regisseur Christopher Speeth und Drehbuchautor Werner Liepolt ihre einzigen Beiträge im Filmgeschäft einbrachten. Ob das ein echter Verlust für das Segment preisgünstiger Grusel-Unterhaltung bildet, darf die mutmaßlich überschaubare Zuschauerschaft dieses unbekannten Billigheimers mit sich selbst ausmachen.
Anders ist der Streifen ohne jeden Zweifel. Vor allem gemessen an konventionellen Genre-Ergüssen. In wohliger Erinnerung bleibt er darüber nicht notwendigerweise. Die Geschichte, wenn man sie so nennen möchte, erhält durch Familie Norris Vorschub: Frank (Paul Hostetler) und Gattin (Betsy Henn) geben vor, in einen dezent heruntergekommenen Vergnügungspark investieren zu wollen. Mit Tochter Vena (Janine Carazo) geht es aber eigentlich darum, den verschwundenen Sohn Johnny (Paul Townsend) aufzuspüren, der dort angestellt war. Nachdem sie von Betreiber Mr. Blood (mit Hang zur Stummfilmtheatralik: Jerome Dempsey, „Network“) herumgeführt wurden, zeigt sich am Schicksal zweier Männer schnell, dass es im Park tatsächlich nicht mit rechten Dingen zugeht.
Der eine wird auf der Achterbahn enthauptet, der andere vom schräg äugenden Hausmeister Sticker (William Preston, „Exorzist III“) niedergestreckt. Ketchup-Blut wird vereinzelt üppig verschmiert, nur fehlt es dem Gesamtwerk an Höhepunkten. Oder zumindest einer geradlinigen Erzählweise. Dabei wäre die fraglos zu verschmerzen, würden die Ideen dieses obskuren Grindhouse-Beitrags halbwegs erinnerungswürdig eröffnet. Pate stand aber wohl eher das Wirken von Regisseuren wie Al Adamson („Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein“). Das bedeutet wacklige Kamera, B-Film-Optik und krauses Schauspiel (in einer Nebenrolle dabei: der kleinwüchsige Hervé Villechaize, bekannt aus „Der Mann mit dem goldenen Colt“).
Ein bisschen Gruselstimmung darf aber trotzdem aufkommen, wenn Vena mit dem adretten Kit (Chris Thomas) auf Spurensuche geht. In den bevorzugt mit Plastikfolie behangenen Tiefen des Rummelplatzes stößt sie auf eine Horde fahler Ghouls in „Night of the Living Dead“-Optik, die ihr eigenes Kino betreiben und auch mal in kollektiven Gesang verfallen, wenn Leichen von A nach B geschleppt werden müssen. Als Zeremonienmeister dient Malatesta (Daniel Dietrich, „Dawn of the Dead“), ein Umhangträger mit Schnauzbart. Irgendwann taucht dann auch der nichtsahnende Johnny auf, während die Ghouls das Wohnmobil der Norris-Familie belagern. Dass Franks Revolver bei der Gegenwehr mehr Blei spuckt als jedes Maschinengewehr, hilft am Ende aber auch nicht, das betont fiese Finale abzuwenden.
Der teils surreale Anstrich (mit Anlehnung an den erwähnten „Carnival of Souls“) sorgt für Stimmungsspitzen, die jedoch weitgehend für sich stehen. „Malatesta’s Carnival of Blood“ erscheint über weite Strecken wie eine Verkettung unzusammenhängender Impressionen. Dazu passt die Bruchstückhandlung, die das relative Nichts des Gesamtwerks in ihrer visuellen Ausstaffierung nie verbergen kann. Um hier beständige Reize zu erkennen, muss man dem Bahnhofskino schon vieles abgewinnen können. Für alle anderen bleibt eine Fußnote des 70’s-Kinos, dessen Entdeckung bestenfalls bedingt lohnt.
Wertung:
(4 / 10)
