Maggie (USA 2014)

maggie„I made a promise to your mother to ever protect you.“ – Wade Vogel

Auf seine alten Tage wird Arnold Schwarzenegger das angestammte Rollenspektrum offenbar zu klein. Vordergründig ist er noch immer der muskulöse Berg, der Held mit der Knarre im Anschlag. Dass mehr in ihm steckt als Terminator, Conan und Ein-Mann-Armee, will er im auch von ihm produzierten Zombie-Drama „Maggie“ offenbaren. In dem schlagen Schwarzenegger und Regie-Debütant Henry Hobson, der bislang vorrangig als Anfangs- und Endtitel-Designer (u.a. „The Help“, „Lone Ranger“) in Erscheinung trat, leise Töne an. Im Zentrum steht die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter. Schwarzenegger dient fraglos als Interesse weckender Fixpunkt. Nur bleibt er ein Mann fürs Grobe, keiner für kleine Gesten. Daher kommt man nicht umhin, den alternden Äktschn-Star als Fehlbesetzung abzutun.

Mit Vollbart, Gesichtsfurchen und sorgenvoll gesenktem Blick müht sich der akzentreiche Österreicher redlich. Zum Glück aber muss sich der Film nicht allein auf seine Präsenz verlassen. Denn da ist noch Abigail Breslin („Little Miss Sunshine“, „Zombieland“), die als Tochter des von Schwarzenegger gespielten Wade Vogel eine in ihren stärksten Momenten intensive Performance bietet. Zu Beginn fährt der bullige Landwirt durch karges Hinterland. Die Bilder wirken ausgeblichen, fast grau. Die postapokalyptische Szenerie kündet von Chaos und Zerstörung. Ein Virus breitet sich aus. Woher es kommt, weiß niemand. Zur Sicherheit werden großflächig Felder verbrannt. Denn die Infizierten verwandeln sich. Die Haut färbt sich schwarz, die Augen werden glasig, dunkle Adern zeichnen sich wie ein Spinnennetz unter der Haut ab. Der Appetit verschwindet erst, dann kommt er zurück. Nur gilt das Verlangen fortan menschlichem Fleisch.

Auch Maggie ist infiziert. Wade holt sie aus einem städtischen Quarantänezentrum auf die Farm. Seine zweite Frau Caroline (Joely Richardson, „Nip/Tuck“), die Maggie stets wie ihr eigen Fleisch und Blut behandelte, bleibt beunruhigt. Doch Wade will sie begleiten, bis die Verwandlung so weit fortgeschritten ist, dass er sie der Staatsmacht übergeben muss. Doch je näher der Punkt rückt, an dem seine Tochter nicht mehr Herr ihres Geistes ist, desto mehr sträubt er sich gegen die polizeiliche Anordnung. Mit Horror hat das bestenfalls thematisch zu tun. „Maggie“ ist kein typischer Zombiefilm, sondern ein morbides Familiendrama. Die Bilder sind eindringlich. Auch formal ist die Low Budget-Produktion fest im Independent verwurzelt. Da ist keine Geschwindigkeit, keine zum Selbstzweck eingesetzten Gewaltschocks. Dass Wade einen verwandelten Nachbarn samt Tochter erschlägt, dient eher der prophetischen Konsequenz.

Woher die Erwachsenenfreigabe rührt, bleibt fraglich. Vermutlich ist sie Marketingkalkül, um Fans von Star und Thema vorzugaukeln, hier ginge es ans Eingemachte. Geht es aber nicht. Hobson konzentriert sich auf die emotionale Zerrüttung der Figuren. Dem Verfall und der drohenden Veränderung seiner Tochter muss Wade hilflos zusehen. Genau dort liegt die Krux in der Besetzung von Schwarzenegger, dem Sätze wie „I’ll be back!“ zwar immer noch leicht über die Lippen gehen, der aber schlicht nicht zur Verkörperung komplexer Charaktere taugt. Ein wenig passt er damit zur spröden Erzählung, die eine Spur zu entschleunigt wirkt. Denn auf welchen Ausklang der Film zusteuert, ist glasklar vorgezeichnet. Nach einem letzten Abend mit alten Schulfreunden nimmt Maggies Verwandlung ihren Lauf. Doch der durchweg elegische Ansatz verbietet ein Finale, das den Schrecken über die Emotionalität stellt. Ein fraglos mutiger Schritt, aus dem aber insgesamt kein nachwirkendes Filmerlebnis erwächst.

Wertung: (5 / 10)

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