Männer wie wir (D 2004)

maenner-wie-wir„Tore schießen ist Meditation. Wenn ihr den Kasten seht, hört einfach auf zu denken, folgt eurer inneren Erleuchtung. Das wird euch lenken. O.K., vergesst die ganze Zen-Scheiße. Das Tor ist über sieben Meter breit. Das ist ja wohl groß genug, oder?” – Kicker-Philosophien á la Karl

Filme rund um des Teutonen liebste Sportertüchtigung haben sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr als Subkultur der deutschen Kinolandschaft etabliert. Zumeist komödiantische Variationen des Schlages „Fußball ist unser Leben” oder „Die wilden Kerle” wurden im vergangenen Jahr künstlerisch wie kommerziell überragt von Sönke Wortmanns semidokumentarischen Kinomärchen „Das Wunder von Bern”. Mit „Männer wie wir” geht nun ein weiterer Vertreter des humoristischen Fußballfilms an den Start um die Gunst des Publikums und präsentiert eine durchaus amüsante Antwort auf die Frage, ob auch schwule Kicker in der sportlichen Männerdomäne bestehen können.

Als Provinz-Torwart und Bäckersohn Ecki (Maximilian Brückner) seiner Mannschaft den lang ersehnten Aufstieg in die Regionalliga vermasselt und obendrein ein desaströses Coming Out erlebt, wird er kurzerhand aus dem Verein geworfen. Bevor er jedoch den Weg vom münsterländischen Boldrup zu seiner Schwester Susanne (Lisa Maria Potthoff, „Soloalbum”) nach Dortmund antritt, fordert Ecki seine ehemaligen Teamkollegen zu einer Revanche heraus. In nur vier Wochen soll ein von Ecki zusammengestellter Kader gegen den FC Boldrup antreten, um die nachträgliche Rehabilitation des homosexuellen Kleinstadt-Keepers zu gewährleisten. Für Eckis Eltern (Dietmar Bär, „Was nicht passt wird passend gemacht” / Saskia Vester, „Solo für Klarinette”) brechen damit die Eckpfeiler bisheriger Vertrautheit ihrer heilen Welt Stück für Stück auseinander. In Dortmund angekommen, verliebt sich Ecki Hals über Kopf in Sven (David Rott, „Ganz und gar”), der ausgerechnet in dem Hospiz seinen Zivildienst ableistet, in dem Susanne als Krankenschwester tätig ist.

Dass ihr eigener Bruder mit dem unerwartet schwulen Schwarm der gesamten Schwesternschaft anbändelt, versetzt Susanne zunächst einen schweren Schock. Doch erweist sich die Familienbande bei der Rekrutierung allesamt gleichgeschlechtlich orientierter Fußballer in Dortmunds Schwulenszene als tatkräftiges Gespann. Im eingefleischten Dortmund-Fan Jürgen (Andreas Schmidt, „Das Leben ist eine Baustelle”) findet Ecki einen ebenso loyalen Mitspieler wie im Finger abspreizenden Dönerschmied Ercin (Billey Demirtas), den Brasilianern Ronaldo (Edesson Batista de Jesus) und Ronaldinho (Edilton Pereira da Cruz) sowie dem Bikertrio Rudolf (Christian Berkel, „Rossini”), Tom (Markus John) und Horst (Charly Hübner). Komplettiert wird die Truppe neben Sven durch den lesbischen Martin und Buchhändler Klaus (Hans Löw, „Victor Vogel – Commercial Man”). Dass sich letzterer als Hetero entpuppt, der auf diesem Wege Susanne näher kommen möchte, wird den übrigen koalierenden Kickern kurzerhand verschwiegen.

Zum Entsetzen des trinkfreudigen Ex-Bundesliga-Profis Karl (Rolf Zacher, „Väter”) trainieren die schwulen Freizeit-Sportler auf eben jenem Platz, den der abgehalfterte Melancholiker sein Heim nennt. Als die Trainingsphase schließlich in den Endspurt mündet, übernimmt der desillusionierte Karl die Leitung des Teams und führt die „Lattenknaller” durch eiserne Führung zum ersehnten Spiel nach Boldrup, wo sich Eckis alte Kameraden bereits siegessicher die Stollen reiben. Mit „Männer wie wir” offeriert die versierte Regisseurin Sherry Hormann („Frauen sind was Wunderbares”, „Irren ist männlich”) einmal mehr leicht goutierbare Komödienkost Made in Germany. Glasiert mit reichlich Ruhrpott-Lokalkolorit und sehenswerten Nebenakteuren wie Willi Thomczyk („Die Camper”) und Mariele Millowitsch („Nikola”), stellt die sympathische, obgleich harmlose Typen-Komödie einen passablen Ensemblefilm ohne rechten Biss.

Denn „Männer wie wir” zeigt seine Homosexuellen nicht wie Ralf König als schrullige Szeneparodien, sondern vielmehr als homophobe Abziehbilder üppiger Gesellschafts-Klischees. Tuckige Gestik und feminine Sprachform staffieren zwar kein allgegenwärtiges Aufbegehren, planieren jedoch ein Fundament platter Kalauer auf Kosten der heroisierten Minderheit. Auf diesen Pfaden beweist auch Hormans Lustspiel, dass es im deutschen Kino noch immer leichter ist, über Homosexualität zu lachen, als eine ironisierte Brücke über beständige Vorurteile zu schlagen. Nebenbei weist auch die Struktur der Inszenierung Lücken auf, wenn angerissene Nebenhandlungsstränge im weiteren Verlauf schlicht ignoriert werden. So schafft der Plot beispielsweise einen Rahmen für die Annäherung von Klaus und Susanne, um selbigen ab Hälfte zwei völlig zu vergessen. Statt dessen wird halbgares Augenmerk auf die Beziehung zwischen Lack- und Leder-Biker Rudolf und seinem plötzlich ins Geschehen strömenden Filius im Grundschulalter gelegt.

Bevor „Männer wie wir” in sein unabdingbar versöhnliches Finale entschwindet, feiert das über die Spielzeit subtil im Raume stehende Plädoyer für individuelle Gleichwertigkeit noch einmal gustiöse Auferstehung. Mit fahlem Glanz und wenig Gloria repräsentiert auch Sherry Hormanns letztlich durchwachsener Komödienbeitrag den fehlenden Mut deutscher Unterhaltungsfilme, politisch korrekte Themenbereiche konsequent gegen den Strich zu bürsten. So stolpert auch dieser Film über jene Klischees, die er im Grunde zu persiflieren versucht.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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