Machismo: 40 Gräber für 40 Gewehre (USA 1971)

machismoEine wüste Mischung aus „Die glorreichen Sieben“ und „The Wild Bunch“ muss Paul Hunt („Reise ins Grauen“) vorgeschwebt sein, als er 1971 „Machismo: 40 Gräber für 40 Gewehre“ drehte. Und das mit so wenig Geschick, dass der Film schon als schlechtester Western aller Zeiten abgetan wurde. Aber wer so etwas behauptet, der hat offenkundig noch nie mit Fidani und dessen Genre-Verdiensten gerungen. Dennoch bleibt Hunts Beitrag amateurhaft, mit schlechten Schauspielern und einer Produktion ohne Wert. Das B-Movie ist eine billige Kopie großer Vorbilder, die nur bei den herben Shoot Outs für erhobene Augenbrauen sorgt.

Nach schier endlosen Anfangstiteln steigt der Regisseur und Co-Autor in eine Verfolgungsjagd zu Pferde ein, bei der eine Gruppe Outlaws von mexikanischen Soldaten vertrieben wird. Die unterbreiten den Banditen kurze Zeit später ein Angebot, das sie auf amerikanischen Boden verschlägt. Anführer Hidalgo (Robert Padilla, „Ein Rabbi im Wilden Westen“) und seine Getreuen sollen sich einer anderen Verbrecherbande stellen, die eine unweit hinter der Grenze gelegene Kleinstadt und deren Umgebung terrorisiert. Für ihre Verdienste winkt die Begnadigung in der Heimat. Der Ablauf ist bekannt. So bekannt, dass lange Zeit erschreckende Langeweile vorherrscht.

Am Zielort sehen sich die Revolvermänner mit dem Rassismus der Einwohner konfrontiert, ehe über vorsichtige Annäherungen – und erste Liebeleien – zarte Vertrauensbande geknüpft werden. Als die ihnen zahlenmäßig weit überlegene Gegnerschar das erste Mal aufkreuzt, ist bereits mehr als die Hälfte der Laufzeit verstrichen. Ein eigenes Profil bleibt den Despoten vorenthalten, Konflikte werden gänzlich auf Söldner und unterdrückte Provinzler verteilt. Auf psychologischer Ebene funktioniert der Plot überhaupt nicht. Die für gewöhnlich unterdrückten Mexikaner müssen plötzlich entscheiden, ob sie den ihnen stets misstrauisch gesonnenen Gringos beistehen, oder sie einfach ihrem Schicksal überlassen sollen.

Dramaturgisch ist das so simpel wie banal, moralisch nur auf ein Minimum an Verantwortungsgefühl reduziert. Natürlich bleiben Hidalgo und seine Kumpane. Zum Dank werden sie in einem rüden Showdown aufgerieben. Die spärlichen Scharmützel, bei denen blutige Einschüsse im Geiste Peckinpahs allesamt in Zeitlupe serviert werden, machen den minderwertigen Low Budget-Western erträglich. Die Gewalt und mit ihr eine ausgiebig angedeutete Vergewaltigung nähren die Exploitation. Daneben aber herrscht buchstäblich gähnende Leere. So bleibt ein zwar äußerst rarer, anbei aber kaum lohnenswerter Streifen.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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