Machete Kills (USA/RUS 2013)

machete-kills„Machete don’t tweet.“ – Zwitschert nicht: Machete

Wenn Menschen von sich selbst in der dritten Person sprechen, ist entweder grenzenlose Arroganz oder maßlose Einfalt im Spiel. Die Ausnahme ist Machete, jener mexikanische Ex-Agent, der Drogenkartellen und anderen Verbrechern den Kampf angesagt hat. „Machete happens“, sagt er bei der Konfrontation des Oberschurken. Genau, Machete passiert. Das kann man auch als Resümee für seinen zweiten Leinwandauftritt „Machete Kills“ stehen lassen. Denn die comichafte Übertreibung, mit der Robert Rodriguez („Sin City“) seinen Vetter Danny Trejo (gemeinsam drehte man u.a. auch „From Dusk Till Dawn“ und „Predators“) durch die parodistische Plotte scheucht, folgt einer von jeder Ernsthaftigkeit befreiten „Anything goes“-Mentalität.

Vor dem Film steht ein Trailer, genauer ein Fake-Trailer. Rodriguez und Kumpel Quentin Tarantino flochten solche bei ihrem Grindhouse-Doppel „Death Proof“ und „Planet Terror“ mit ein. Daher resultiert auch die Idee zu „Machete“. Hier gibt es noch vor Teil zwei einen Ausblick auf die nächste Fortsetzung: „Machete Kills Again …in Space“. Was zunächst wirkt wie die absurde Einstimmung auf das nachfolgende ironische Metzelfest, entpuppt sich am Ende tatsächlich als Prophezeiung. Bevor er aber das Weltall aufmischen darf, gilt es irdische Probleme mit der charakteristischen Machete zu lösen. Zunächst jedoch wird seine Geliebte Sartana (Jessica Alba, „Fantastic Four“) während eines heroischen Einsatzes von einem maskierten Unbekannten getötet. Das schreit nach Rache!

Die hebt sich Rodriguez, der neben der Regie auch produzierte, die Story ersann, den Soundtrack komponierte, die Kamera führte und den Schnitt übernahm, aber für den nächsten Teil auf. Zunächst nämlich gilt es in bester (eher trashigster) James Bond-Manier die Zerstörung der Welt zu vereiteln. Der durchgeknallte mexikanische Drogenbaron Mendez (Démian Bichir, „Savages“) hat eine Rakete mit großer Sprengkraft auf die USA gerichtet. Dass deren Abschussvorrichtung mit seinem Herzen gekoppelt ist, macht die Angelegenheit nicht weniger Delikat. Von Präsident Rathcock („Two and a Half Men“-Rüpel Charlie Sheen unter seinem Geburtsnamen Carlos Estevez) wird Machete angeheuert, die Gefahr zu bannen. Doch entpuppt sich nicht Mendez als die eigentliche Gefahr, sondern der nach Allmacht strebende Waffenproduzent und „Star Wars“-Fan Voz („Mad Max“ Mel Gibson).

Nach Entschuldigungen für haltlos übertriebene, mit reichlich CGI-Blut aufgemotzte Actioneinlagen braucht man nicht lange zu suchen. Dabei wird Machete zum Exploitation-Jesus, wenn er sich etwa an einem laufenden Hubschrauberrotor im Kreis schwingt und dabei reihenweise Gegner enthauptet. Fantasie und Fun-Splatter sind keine Grenzen gesetzt. Ebenso wenig dem Schaulaufen der Genrestars. Michelle Rodriguez („Avatar“) wiederholt ihren Tough-Girl-Auftritt des Erstlings und empfiehlt sich als Vorzeige-Revoluzzerin (Shé anstatt Ché). Ihr blondes Gegenstück bildet Amber Heard („Drive Angry“) als zwielichtiges CIA-Luder. Der Machete nachstellende Killer El Camaleón macht seinem Namen alle Ehre und wird von Walton Goggins („Justified“), Cuba Gooding Jr. („Red Tails“), Antonio Banderas („Desperado“) sowie Pop-Exzentrikerin Lady Gaga gespielt.

Daneben sind es Darsteller wie William Sadler („Trespass“), Vanessa Hudgens („Spring Breakers“) oder Gore-Guru Tom Savini (dessen Pimmel-Pistole aus „From Dusk Till Dawn“ an anderem Körper auch mal wieder zum Einsatz kommt), die das zitatreich-groteske Pulp-Feuerwerk anheizen. Nur die finale Klärung bleibt aus, weil es Machete ja noch ins All verschlagen muss. Das ist nicht immer der große Wurf, dafür aber herrlich überdreht, angemessen billig getrickst und so weit von jeder Bodenhaftung entfernt, dass die FSK den Film trotz des groben Gewaltmarathons mit einer Freigabe ab 16 durchwinkte. Spaßiger und enthemmter als der Vorgänger ist „Machete Kills“ aber auf jeden Fall. Zumindest für Schund-Connaisseure ein wahres Freudenfest.

Wertung: (7 / 10)

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