M3GAN 2.0 (USA 2025)

„Everyone deserves a second chance.“ – Cady
In Kinofortsetzungen konvertieren die Bösen gern mal zum Guten. Ein klassisches Beispiel ist der von Arnold Schwarzenegger verkörperte „Terminator“, der ab Teil zwei zum Beschützer des Weltenretters John Connor avancierte. Einen ähnlichen Weg geht auch das Sequel des Science-Fiction-Gruslers „M3GAN“ (2022), in dem ein KI-gestützter Roboter in Teenagerin-Gestalt die verwaiste Cady (Violet McGraw, „The Haunting of Hill House“) beschützen sollte. Die oberste Direktive wurde nach einem technischen Defekt aber bald ins Extreme gebeugt, was auch Cadys Tante, M3GAN-Erfinderin Gemma (Allison Williams, „Get Out“), in Lebensgefahr brachte. Am Ende konnte der Körper der Quasi-Mörderpuppe zwar zerstört werden, ihr „Geist“ bestand aber im Smart-Home-System von Gemmas Domizil fort. Also: Vorhang auf für den Nachschlag.
Allerdings zeigt schon der Auftakt, dass „M3GAN 2.0“ einen anderen, weit durchgeknallteren Weg beschreitet. Denn der Beginn zeigt Roboterfrau AMELIA (Ivanna Sakhno, „Ahsoka“) im Ferneinsatz für die US-Regierung. Nachdem sie in bewährter „Terminator“-Manier eine Terroristengruppe ausgelöscht hat, tötet sie allerdings auch den verschleppten Wissenschaftler, den sie eigentlich hätte befreien sollen. Da ist guter Rat erst einmal teuer. Also blickt Autor und Regisseur Gerard Johnstone („Housebound“), der schon den Vorgänger schrieb und inszenierte, auf Gemma und Cady. Während sich ihre Tante mittlerweile für die Regulierung von KI stark macht, lässt sie durch Aikido-Training den Schutzbedarf stückweise hinter sich. Dass dabei auf Action-Recke Steven Seagal verwiesen wird, ist eine von vielen popkulturellen Referenzen, die den ironischeren Ansatz des Streifens stützen.
Eine schlüssig zusammenhängende Geschichte ergibt sich daraus jedoch nicht. Mehr schon ein Potpourri aus bemühter Lässigkeit und hochtechnisiertem Budenzauber. Überzeugend ist das kaum, unterhaltsam aber allemal. Und so wird Gemma zunächst vom trotteligen Regierungsbeamten Sattler (Timm Sharp, „Queenpins“) unter Verdacht gestellt. Allerdings warnt er sie gleichsam vor AMELIA, die nach ihrem Untertauchen danach strebt, Gemmas AI-kritischen Aktivistenfreund Christian (Aristotle Athari, „Molli and Max in the Future“) auszuschalten und die Welt zu zerstören. Da kommt M3GAN (Amie Donald, „Sweet Tooth“) ins Spiel, die ihre Hilfe anbietet, da ihre Primärbestimmung noch immer Cadys Schutz markiert. Und da sie einen Teil des Hauses scheinbar unbemerkt zu einer Mischung aus Atomschutzbunker und Bat-Höhle hat umbauen lassen, steht ihrer körperlichen „Wiedergeburt“ – und Modifikation – nichts mehr im Wege.
Der Comic-Charakter zahlt fraglos auf die Kurzweil des abermals von Jason Blum („The Conjuring“) und „Saw“-Schöpfer James Wan produzierten Streifens ein – und natürlich die noch deutlichere Anbiederung an ein jugendliches Publikum. Damit werden dann auch die Gewaltspitzen abgefedert, die wie beim Vorgänger aber auch in der erweiterten Fassung eher moderat ausfallen. Im letzten Drittel, wenn M3GAN mit AMELIA um Entfesselung/Zerstörung eines schier übermächtigen KI-Bewusstseins ringt, offenbart sich natürlich auch der Drahtzieher der Gesamtaffäre. Der damit einhergehende Weltverbesserungsplan wirkt fast wie eine Parodie auf einschlägige Bösewichte des James-Bond-Universums. Aber wirklich ernstgemeint ist bei „M3GAN 2.0“ ohnehin nichts. Wer sich darauf einlassen kann, erlebt so stylische wie gnadenlos überzeichnete High-Tech-Action, die trotz ihrer zahlreichen Querverweise papierflach bleibt. Solange der Unterhaltungswert stimmt, muss aber auch das nicht weiter stören.