LustfingeR – Wir wissen was wir wollen (2018, MetalSpiesser Records/Soulfood)

In den späten Achtzigern, für einen kurzen Moment, war der Deutsch-Punk salonfähig. Selbst der Privatsender RTL beteiligte sich 1990 an der Verbreitung eines Samplers: „Festival der Volxmusik“. Mit dabei waren Bands wie ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN, MOLOTOW SODA oder NORMAHL. Auch LUSTFINGER waren mit von der Partie (oder Party?) und flehten: „Lieber Staatsanwalt“. Zu den Großen des heimischen Punk-Zirkus zählten die 1981 gegründeten Münchner nie – dafür zu den Dienstältesten. Dass sie dem Genre bis heute ihren Stempel aufdrücken, verdeutlicht ihr zehntes Album „Wir wissen was wir wollen“. Ein Komma braucht es dafür ebenso wenig wie zweckfremde Schnörkel.

Die Platte fügt sich nahtlos in den erbaulichen Trend der alten und alternden Punk-Recken, die gegenwärtig noch einmal angreifen, sich zusammenraufen und neue Musik schaffen. Dabei wollen LUSTFINGER vor allem eins: unterhalten. Damit neben der Kurzweil auch die Message nicht zu kurz kommt, ätzen sie in kurzen Gassenhauern gegen „Gier“, „Arschlöcher“ oder „Feige Schweine“. Auf instrumentaler Ebene funktioniert das reibungsfrei. Das Tempo stimmt und die Gitarrenfront gibt sich momentweise dem Rock’n’Roll hin oder streift auch mal den Metal. Die simplen Texte fallen dagegen merklich ab. Die Refrains bestehen häufig aus beständig wiederholten Wörtern oder kurzen Sätzen. Das wirkt im Sinne des klassischen Punks zwar standesgemäß plakativ, zu oft aber leider auch ideenlos.

Beim ersten Track „Was ist hier los?“ geht die Rechnung noch auf. Doch spätestens bei der dritten Nummer, „Mir scheint die Sonne aus dem Arsch“, wirkt das Grundmuster bereits strapaziert. Dass es auch anders geht, belegen LUSTFINGER mit dem schwelgerischen „Vorbei ist die Zeit“, „Für die Ewigkeit“ oder „Mach dich lieber anders tot“. Licht und Schatten (dazu zählt auch der einzig englischsprachige Song „Baby I Love You“) liegen auf „Wir wissen was wir wollen“ eng beieinander. Das genügt in Summe für eine solide, durchaus amüsante und obendrein fix auf den Punk(t) gebrachte Scheibe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wertung: (5,5 / 10)

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