Looking for Eric (GB/F/BE/I 2009)

looking-for-ericKen Loach („It’s a Free World“) ist nicht unbedingt als Regisseur für leicht verdauliche Filmstoffe bekannt. Umso mehr überrascht der Brite mit dem humorvollen Prekariats-Märchen „Looking for Eric“, in dem ein abgehalfterter Postmann von Kicker-Legende Éric Cantona Nachhilfe in Sachen Sozialisation erhält. Der Franzose Cantona, der von 1992 bis ’97 bei Manchester United spielte, gilt im Umfeld des Arbeiterclubs als Idol. Dass er sich nach seiner Zeit als Fußballer der Schauspielerei widmete und u.a. in „Elizabeth“ und „Ein Sommer auf dem Lande“ mitwirkte, prädestiniert ihn wie keinen anderen für die Rolle des moralischen Mentors.

Den hat der in die Jahre gekommene Postbote Eric Bishop (Steve Evets, „Robin Hood“) auch bitter nötig. Der leidenschaftliche Manchester-Fan lebt zusammen mit zwei Stiefsöhnen aus zweiter Ehe in einem kleinen Reihenhaus. Die Jugendlichen akzeptieren ihn nicht als ihren Vormund und zollen ihm auch keinen Respekt. Kein Wunder also, dass den durch die soziale Situation und die Misere gescheiterter Beziehungen zur Depression neigenden Beamten der Lebensmut verlassen hat. Die Wende schafft Eric mit Hilfe des (imaginären) Namensvetters Cantona, der ihm unvermittelt erscheint und nach Belieben philosophische Lektionen erteilt.

Als Sprachrohr des kleinen Mannes widmet sich Loach immer wieder den Problemen der Arbeiterklasse. Auch in „Looking for Eric“ bilden beruflicher Stress, familiäre Probleme und der drohende Abstieg in kriminelle Kreise – hier am Beispiel von Stiefsohn Ryan (Gerard Kearns, „Shameless“) durchexerziert – die authentische Basis, von der aus sich ein warmherziges und weises Alltagsmärchen entspinnt. Und so hilft der eingebildete dem verzweifelten Eric wieder auf die Beine, stärkt sein Selbstbewusstsein und ermöglicht selbst die Annäherung an seine erste Frau Lily (Stephanie Bishop), die er samt der gemeinsamen Tochter Sam (Lucy-Jo Hudson, „Coronation Street“) einst sitzen ließ.

Zu Sam hat Eric jedoch ein ausgezeichnetes Verhältnis. Als er seine Enkeltochter hüten soll, begegnet er Lily wieder und beginnt mit moralischer Stütze durch Cantona die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten. Für den nötigen Humor in dieser luftig kitschfreien Dramödie sorgen Erics Kollegen und Kneipenkumpels, die ihm beim riskanten Unterfangen beistehen, Ryan aus den Klauen eines berüchtigten lokalen Gangsters zu befreien. Wo bei Loach sonst Tragik vorherrscht, regieren hier Optimismus und Lebensfreude. Die verhandelten Themen sind bekannt. Allein der veränderte Tenor macht „Looking for Eric“ zu einem außergewöhnlichen Feelgood-Film.

Wertung: (8 / 10)

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