Loft – Tödliche Affären (B 2009)

loftEs beginnt mit zwei Leichen. Die eine, nicht näher identifiziert, ist vom Balkon gestürzt und auf einem geparkten Auto gelandet. Die andere, eine junge Frau, liegt blutbesudelt im Bett. Sie gibt fünf Freunden Rätsel auf, die im Loft von Architekt Vincent (Filip Peeters, „Tannöd“) eine Oase der Stille implementierten. Ein Rückzugshort mitten in der Stadt, wo man hingehen kann, wann – und vor allem mit wem – es beliebt. Genau dieses vor den Ehefrauen strikt geheim gehaltene Separee ist plötzlich ein Tatort. Ein Einbruch wird ausgeschlossen und da nur fünf Schlüssel zur Großraumwohnung existieren, muss einer von ihnen der Schuldige sein.

Mit dem clever konstruierten Thriller „Loft – Tödliche Affären“ gelang Erik Van Looy („Totgemacht – The Alzheimer Case“) in der belgischen Heimat ein Kassenknüller. Mehr als eine Million Kinobesucher folgten dem Ruf der verzwickten Mördersuche, die das dichte Geflecht persönlicher Verstrickungen nur zögerlich und unter konstanter Spannungssteigerung entknotet. In der Auflösung chronologischer Erzählweisen werden falsche Fährten ausgelegt und Vorgeschichten, Affären und Obsessionen offenbart. Die Loyalität der Freunde wird dabei auf eine harte Probe gestellt.

Neben Vincent finden sich Psychiater Chris (Koen De Bouw, „The Intruder“), dessen aufbrausender Halbbruder Filip (Matthias Schoenaerts) sowie der gehemmte Luc (Bruno Vanden Broucke) und Trinker Marnix (Koen De Graeve) im Loft ein. Gemeinsam suchen sie nach einem Ausweg, vor allem aber nach Antworten. Zögerlich treten entscheidende Details zutage, die im narrativen Rahmen auch die Polizei beschäftigt. Doch ihr Sachstand gründet sich, ähnlich dem des Zuschauers, auf die Aussagen der Gefährten. Ihr Zusammenhalt scheint gefestigt. In Wahrheit aber ist das Verhältnis der Freunde längst vergiftet.

In der puzzleartigen Enthüllung der Geschehnisse garantiert Van Looy auf den inszenatorischen Spuren von „Die üblichen Verdächtigen“ Spannung bis zum Schluss. Sein effektiv gefilmter und durchweg überzeugend gespielter Thriller holt selbst als die Zusammenhänge klar scheinen mit einer bitteren Wendung zu einem (scheinbar) letzten Tiefschlag aus. Schlussendlich bleibt nur das Rätsel der zweiten Leiche. Warum diese vom Balkon des Lofts in die Tiefe stürzt, zeigt der finale Twist dieser sehenswerten belgischen Produktion, die internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht. Wundern würde es daher auch nicht, wenn Hollywood bald mit einem Remake um die Ecke käme.

Wertung: (7 / 10)

scroll to top