Little Children (USA 2006)

little-childrenEs gibt sie jedes Jahr, diese kleinen Filme, die einfach bewegen, mitreißen. Dass die besten Geschichten immer noch das Leben schreibt, ist wohl hinlänglich bekannt. Dies zeigt in eindrucksvoller Manier „Little Children“ von Regisseur Todd Field. Dieser konnte bereits 2001 die Kritiker mit seinem Leinwanddebüt „In the Bedroom“ überzeugen, ähnliches sollte ihm ein halbes Jahrzehnt später auch mit seinem zweiten Film gelingen, bei welchem er abermals die scheinbar heile Familienwelt aus den Fugen hebt.

Aufregung, gar Panik und Entsetzen herrschen in der US-Kleinstadt. Der gerade aus dem Gefängnis entlassene Ronnie (Jackie Earle Haley) entblößte sich vor einem Kind, was in der scheinbar sterilen Umgebung einem sozialen Todesurteil gleich kommt. Hinter der perfekten Fassade bröckelt es jedoch grundsätzlich gewaltig. Der gut aussehende Brad (Patrick Wilson) kümmert sich um Haus und Kind, während seine nicht minder attraktive Frau Kathy (Jennifer Connelly) Karriere macht. Für gegenseitige Gefühle ist leider schon lange kein Platz mehr. Ähnliches widerfährt Sarah (Kate Winslet), deren Mann seine sexuellen Phantasien lieber im Internet auslebt und zwischen beiden keinerlei Emotionen mehr bestehen. Täglich trifft Sarah mit anderen Müttern auf dem Spielplatz zusammen, auf dem plötzlich auch Brad mit seinem Sprössling auftaucht. Sarah kommt mit Brad ins Gespräch, beide kommen sich näher und brechen im weiteren Verlauf aus ihren familiären Gefängnissen aus. Allerdings nicht ohne Konsequenzen für sich und ihre Umwelt.

Es gibt sie im Grunde nur als Fassade, die heile Welt in all den Klein- und Vorstädten. Bereits Sam Mendes wagte mit „American Beauty“ einen bösen Blick hinter diese Fassade, in eine ähnlich bittere Kerbe schlägt auch Todd Field. Sein Film handelt von der Familie als Sackgasse, von emotionaler Kälte und dem Wunsch nach Geborgenheit, Zärtlichkeit und Liebe. Die Ursachen können unterschiedlicher Natur sein. Eine große Stärke von „Little Children“ ist dessen realistische Darstellung der Probleme, Fehler und Sehnsüchte seiner Protagonisten. Als Zuschauer kann man sich mit ihnen identifizieren, schwankt zwischen Verständnis und Mitleid, Abscheu und Unverständnis.

Neben der eindringlichen Inszenierung bleiben vor allem die grandiosen Darstellerleistungen im Gedächtnis. Kate Winslet („Titanic“) bewies bereits mehrfach ihre Klasse, auch hier überzeugt sie als einsame Ehefrau, die sich im Verlauf ihrer Affäre zunehmend von ihrem regulären Leben befreien möchte. Im Zusammenspiel mit Patrick Wilson („Hard Candy“) harmoniert sie prächtig und wurde zurecht für einen Oscar nominiert. Jennifer Connelly („Dark Water“) hat weniger Möglichkeiten, sich zu entfalten, erhält gen Ende dann aber doch mehr Freiräume. Abseits dieser Konstellation überzeugen vor allem Jackie Earle Haley („Das Spiel der Macht“) als krankhafter Pädophiler bzw. Noah Emmerich („Windtalkers“) als dessen selbst ernannter Richter. Vor allem die Figur des Jackie Earle Haley wirkt nachhaltig, schwankt man bei ihr doch am meisten zwischen Ablehnung, Mitleid und sogar Verständnis. Auch er wurde verdient Oscar-nominiert.

Mit „Little Children“ ist Todd Field ein herausragendes Drama geglückt, in welchem Darsteller, Story und Inszenierung perfekt in Einklang gebracht werden. Die vorgegaukelte Harmonie der Vorstadtfassade wird von seinem Macher Stück für Stück seziert. Dies geschieht meist still und leise, seine Figuren leiden, der Zuschauer gleich mit. Ein bedrückender wie beklemmender Film, der dennoch auch Mut zur Hoffnung gibt. Definitiv ein kleines Meisterwerk.

Wertung: (9 / 10)

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