Lionheart – Love Don’t Live Here (2016, Beatdown Hardwear)

lionheart-love-dont-live-hereNein, es ist nicht von der Hand zu weisen: Viele zeitgenössische Hardcore-Vertreter geben sich stumpf und monoton. Nur muss das mitnichten einem qualitativen Niederschlag gleichkommen. Denn es gibt schließlich das gute und das schlechte Stumpf. Die Grenze wird individuell dort gezogen, wo der Hardcore bei aller Überraschungsarmut packt – oder eben nicht. Auch LIONHEART verlassen sich auf ihrem vierten Langspieler „Love Don’t Live Here“ ausschließlich auf bekannte Versatzstücke. Pate standen Combos wie TERROR, WISDOM IN CHAINS oder auch MADBALL. Das bedeutet konsequent nach vorn getriebenen Hardcore mit wuchtigen Mosh-Parts und metallischer Kante.

Originell ist das mitnichten und die in den 11 Tracks transportierten Geschichten vom ewigen Kampf der Außenseiter atmen altbackenen Rinnstein-Charme. Die Betonung der Wurzeln, die aus sozial schwachen Milieus wuchern, wirkt klischeehaft, wie der „White-Trash-Hardcore-Rock’n’Roll“, den sich BLOOD FOR BLOOD stets auf die Fahne kritzelten. Vom Hocker zerren muss das keineswegs. Doch die Kalifornier verpacken die offen ans Revers geheftete Fuck You-Attitüde in gnadenlos ballernde und mit manch hymnischem Brüllpart versehene Nackenbrecher, die im Pit für reichlich Bewegung sorgen sollten. Von daher ist „Love Don’t Live Here“ kein mächtig großer Wurf, dafür aber eine Platte, die mit prolligem Vorwärtsdrang und technisch ansprechender Leistung für Kurzweil sorgt. Stumpfsinn kann eben auch respektables Vergnügen bereiten.

Wertung: (7 / 10)

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