Life (Season 1) (USA 2007)

life-season-1Im amerikanischen Strafvollzug bedeutet „Life“ Lebenslänglich. Ein solches Urteil ereilte den Polizisten Charlie Crews, als er für den Mord an einem Geschäftspartner und dessen Familie für schuldig befunden wurde. „Life“ heißt aber auch Leben, und jenes erhielt besagter Charlie Crews zurück, als er das Gefängnis 12 Jahre später als freier Mann verlassen durfte. Eine Anwältin hatte für den Inhaftierten gekämpft und schlussendlich seine Unschuld bewiesen. Für den bitteren Verfahrensfehler wurde er mit einem Vermögen entschädigt. Doch Charlie Crews wollte nur seine Dienstmarke zurück. Wer hätte ihm diesen Wunsch schon abschlagen können?

Die etwas andere Krimi-Serie erdachte Rand Ravich, der sich als Regisseur („The Astronaut´s Wife“) und Autor („Stendhal Syndrom“) in der Vergangenheit eher um düstere Stoffe verdient gemacht hatte. Er zieht die Geschichte über den kauzigen Ermittler angenehm komödiantisch und über teils absurd angehauchte Fälle auf, verliert darüber aber nie das verbindende, mit dem notwendigen Ernst vorangetriebene Element einer Verschwörung in den Reihen der Polizei von Los Angeles aus den Augen. Denn natürlich nutzt Crews, glänzend gespielt von Damian Lewis („Band of Brothers“), die wiedergewonnene Freiheit, um die Hintergründe jener Morde aufzuklären, für die er so lange büßen musste.

Diese Gratwanderung zwischen situationskomischer Charakterjustierung – Crews hat während der harten Zeit hinter Gittern nicht nur eine Zen-mäßige Gleichmut entwickelt, sondern auch eine fast zwanghafte Vorliebe für frisches Obst – und verwinkeltem Verschwörungs-Thriller funktioniert ausgezeichnet. Kurzweilig werden auf die Dauer einer Episode ausgelegte Verbrechen aufgeklärt und nebenbei geschickt Puzzleteile des großen Ganzen zusammengefügt. In einem dokumentarisch angehauchten Rahmen kommen zudem Involvierte des Crews-Falles – die Ex-Frau, die ihm zugeneigte Anwältin (Constance Griffiths) oder der seinerzeit leitende Ermittler – vor einer Fernsehkamera zu Wort.

Crews‘ Unschuld wird auch für den Zuschauer nicht sofort als Fakt etabliert. Für eine Quasi-Eingewöhnungsphase werden Zweifel aufgebracht, die sich im Laufe der ersten 12 Folgen aber restlos zerstreuen. Die Serie lebt von ihrer Hauptfigur, dem eigensinnigen und bevorzugt undurchsichtigen, dabei aber auch ebenso brillanten Detective, der ein nahezu unmöbliertes Anwesen bewohnt und Knastkumpan Ted Earley (Adam Arkin, „Chicago Hope“) zwecks Vermögensverwaltung über der Garage wohnen lässt. Bereits er ist Indiz für die sorgfältige Ausarbeitung der übrigen relevanten Charaktere, wobei Sarah Shahi („The L Word“) als unfreiwillige Partnerin des argwöhnisch beäugten Polizeidienstrückkehrers das größte Gewicht zufällt.

Auch sie, namentlich Dani Reese, steht als ehemalige Drogenabhängige für das Gesamtbild einer ambivalenten Figurenfülle, deren Schwächen in deutlicher Abgrenzung zum klischeehaften Motiv trivialer Schwarz-Weiß-Malerei stehen. Dass sich ihr Vater Jack (Victor Rivers, „The Lost City“), ein dekorierter Polizeiveteran, als einer der Hintermänner der Intrige herauskristallisiert, erhöht den Reiz der geschickt konstruierten Reihe zusätzlich. Action bleibt darüber mit Bedacht eingesetzt, Schauwerte resultieren eher aus der sehenswerten Gesamtinszenierung und den glaubhaften Darstellerleistungen. Das Ende bleibt (relativ) offen, eine zweite Staffel wurde bereits abgedreht. Der exzentrische Ermittler Crews hat damit fraglos große Zukunftschancen.

Wertung: (8 / 10)

 

scroll to top