Letters from Iwo Jima (USA 2006)

letters-from-iwo-jimaMan kann den Altrecken Clint Eastwood gar nicht genug mit Lobgesängen huldigen. Was dieser im Spätherbst seiner Karriere noch alles auf die Beine stellt, verdient schwersten Respekt. Seine Regiearbeiten sind seit einigen Jahren stete Anwärter auf einen Oscar, dabei scheint das ehemalige Raubein von Film zu Film besser zu werden. Das Doppel-Projekt „Flags of Our Fathers“ sowie „Letters from Iwo Jima“ hätte letztlich sein Meisterstück werden können, vielleicht jedoch war das ambitionierte Unterfangen etwas zu viel des Guten. Denn zumindest der aus amerikanischer Sicht dargestellte Schlachtverlauf und die Glorifizierung des berühmten Fotos in „Flags of Our Fathers“ konnte nicht komplett überzeugen.

„Letters from Iwo Jima” erzählt die Schlacht um Iwo Jima aus japanischer Sicht. Befehligt werden die ca. 20.000 Soldaten von Generalleutnant Kuribayashi (Ken Watanabe, „Last Samurai”), der die Verteidigung der Insel anders angeht, als seine Offiziere es wünschen. Wochen bevor die Amerikaner landen graben sich die Japaner tief ins Innere der Insel ein. Einer von ihnen ist der junge Saigo (Kazunari Ninomiya), dessen einziger Wunsch das Überleben ist. Während des Angriffes stellt sich letztlich die Taktik von Kuribayashi als die richtigere heraus. Doch das Schicksal seiner Leute war im Grunde von Anfang an besiegelt.

Die von Eastwood dargestellte japanische Sicht der verlustreichen Schlacht um die kahle Steininsel Iwo Jima beruht auf vor wenigen Jahren gefundenen Briefen japanischer Soldaten. Eastwood erzählt in verwaschenen, farblosen Bildern anhand von Einzelschicksalen von den Anfängen der Schlacht, deren Vorbereitung und letztlich vor allem dem hoffnungslosen Unterfangen, die unbedeutende Insel zu verteidigen. Emotional geht „Letters from Iwo Jima“ unter die Haut, die Figuren sind feiner herausgearbeitet und gerade die Hoffnungslosigkeit der Soldaten, diese kahle Insel zu verteidigen, die die Soldaten bereits Wochen vor der Schlacht in den Köpfen haben, wirkt äußerst bedrückend.

Der Aufbau des Films unterscheidet sich von Eastwoods erstem Beitrag, denn die Handlung wird weitgehend chronologisch erzählt. Rückblicke gibt es nur an einigen Stellen und wenn, dann sind diese relativ kurz gehalten. Anhand von Gesprächen und dem Umgang miteinander vermag man allerdings mehr über die Vergangenheit, Beweggründe und das Innenleben der Soldaten zu wissen, als zwingend in Form von Rückblenden dargestellt werden müsste. Die Japaner zeigen – bei allem Stolz – mehr Emotionen, lassen mehr Gefühle zu und wirken so menschlicher. Das auf ihrer Seite Stolz und Nationalbewusstsein aber auch schnell ins uferlose abdriften können, ist die andere Seite der Medaille.

Die Schlacht selbst findet für den Betrachter kaum statt, in diesem Punkt hatte „Flags of our Fathers“ einen höheren Actionanteil. Zwar sind die nicht aufhören wollenden Bombardements der Amerikaner stets wahrnehmbar, doch auch hier stehen die Menschen in den Höhlenlabyrinthen im Vordergrund, deren Ängste und auch deren Hoffnungen. Dies bezieht sich nicht nur auf die einfachen Soldaten, sondern reicht bin in die höchste Führungsebene. Die kulturellen Unterschiede zwischen den Kriegsgegnern sind allzu offensichtlich. Dennoch gibt es auch einige Gemeinsamkeiten, die von Eastwood immer wieder ausgearbeitet werden. Dialoge zwischen Japanern und Amerikanern vor als auch während der Schlacht zeugen nicht davon, dass man sich auf menschlicher Ebene allzu fremd ist. Mit „Letters from Iwo Jima“ hat Clint Eastwood den wohl großartigeren Film geschaffen, der gerade den menschlichen Aspekt und die Sinnlosigkeit des Krieges besser darstellen kann, als es „Flags of Our Fathers“ tat.

Wertung: (9 / 10)

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