Let Me In (USA/GB 2010)

let-me-in„Do you think there’s such a thing as evil?” – Auf der Suche nach Erklärungen: Owen

Für gewöhnlich bleiben US-Remakes weit hinter ihren Originalen zurück. Das gilt vor allem für solche Filme, die außerhalb Amerikas produziert wurden und deren internationale Anerkennung in Hollywood die Begehrlichkeit wiederholbaren Erfolgs weckt. Für gewöhnlich werden sie dort für den heimischen und weltweit immer noch mächtigsten Markt mit größerem Budget an die dortigen Gepflogenheiten angepasst. Aber natürlich gibt es Ausnahmen. Eine davon ist „Let Me In“, die abgründige Neuverfilmung des gefeierten schwedischen Horror-Dramas „So finster die Nacht“.

Der anhaltende Vampir-Trend mag die Finanziers beflügelt haben. Doch hat das von Matt Reeves („Cloverfield“) geschriebene und stilvoll unprätentiös gestaltete Remake mit den gegenwärtigen Genre-Erfolgen nichts gemein. Dies erste Werk der wiederbelebten britischen Produktionsfirma Hammer Films, die mit den Neuverfilmungen der großen Universal-Gruselklassiker ab den späten Fünfzigern Geschichte schrieb, ist seinem Original über weite Strecken ebenbürtig. Zwar verändert Reeves den Erzählrhythmus und bleibt insgesamt weniger subtil, der ungewöhnlichen Dramaturgie und der emotionalen Kühle hält er dennoch konsequent die Treue.

New Mexico, im Winter 1983: Der zwölfjährige Owen (Kodi Smith-McPhee, „The Road“) lebt mit seiner Mutter in einer hellhörigen Mietskaserne. In der Schule wird er drangsaliert, Freunde hat er keine. Das ändert sich, als die (äußerlich) gleichaltrige Abby (Chloe Grace Moretz, „Kick-Ass“) mit einem väterlichen Begleiter (Richard Jenkins, „The Visitor“) in die Wohnung nebenan zieht. Das blasse Mädchen, das die Tage hinter mit Pappe verklebten Fenstern verbringt, zeigt sich nur nach Einbruch der Dunkelheit. Zwischen den beiden Außenseitern entwickelt sich eine tiefe Verbundenheit. Und die wird auch nicht durch den verstörenden Umstand beschädigt, dass sich Abby allein von menschlichem Blut ernährt.

Als ihr Scheinvater bei der Nahrungsbeschaffung unvorsichtig wird und einen Polizisten (Elias Koteas, „Shutter Island“) auf den Plan ruft, ist Abby gezwungen, sich selbst zu versorgen. Die meist namenlosen Erwachsenen taugen nicht als Identifikationsfiguren und überlassen die Kinder sich selbst. Die Welt in „Let Me In“ ist ein relativ farbloser und trister Ort, der von betont distanzierten Bildern und zurückhaltender musikalischer Untermalung atmosphärisch geprägt wird. Die innere Leere verbindet den Jungen und das Monster, die in angedeuteter Zuneigung und moralischer Entgrenzung über gängige Rollenbilder hinauswachsen. Die blutbesudelte Bitterkeit ist geblieben, die ausnehmend starken (Jung-)Darsteller und die morbide Inszenierung sorgen, selten genug, für ein erstklassiges Remake.

Wertung: (7,5 / 10)

 

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