Le Magnetophone – Qualitätsmanagement (2016, Innerlich Elvis)

le-magnetophone-qualitaetsmanagementWider der angepassten Mittelmäßigkeit. Der des Lebens, der des Pop. LE MAGNETOPHONE sind dagegen. Post-Singer/Songwriter nennen die sieben ungenannten Menschen ihre Musik. Die Herkunft, so sagt es der Pressezettel, ist das „Brandenburg des Westens“. Gemeint ist das Saarland, wo die Gedanken schon sehr trüb und destruktiv sein müssen, um ein Album hervorzubringen, das der Kleinbürgerlichkeit einen dermaßen pessimistischen Anstrich verpasst. In „Qualitätsmanagement“ werden Geschichten ausgebreitet, die der Mitte der Gesellschaft entspringen. Die nur vordergründig faire Behandlung von Angestellten im eröffnenden Titelstück, kommunale Landverödung („Dorf im Herbst“), oberflächliche Beziehungsgeflechte („Brunchen“), der Familienvater am Straßenstrich („Der größte Puff Europas“).

Es sind Fingerzeige auf Land und Leute. Der Gesang, ein Wechselspiel aus rauer männlicher und zarter weiblicher Stimme, wirkt im Kern desillusioniert, resigniert und auch ein bisschen wütend. Doch da ist kein Aufbegehren. „Qualitätsmanagement“ ist kein Pamphlet, sondern ein Beschwerdezettel, verpackt in reduzierten, nicht selten experimentell angehauchten Indie-Pop. Bei „Hard Knocks“ wird mit Unterstützung von TRIP Sprechgesang eingebunden, am Ende des erwähnten „Der größte Puff Europas“ die Post-Rock-Keule geschwungen. Stimmungsvoll ist das fraglos. Nur wohin führt das Ganze? Spätestens zur Halbzeit strapaziert der im Detail mit Banjo, Geige oder Glaspercussion angereicherte Klagereigen die Nerven. Es mangelt nicht an Abwechslung, wie auch die verknüpften, im Demostil aufgenommenen Akustikbeiträge „Mammutbaum 1“ und „Mammutbaum 2“ zeigen.

Gerade in ihnen gibt es großartige Textzeilen, vom ziellosen Aufbegehren und dem Scheißen in Boutique-Kabinen. In der Hauptsache aber rangiert „Qualitätsmanagement“ irgendwo zwischen Kleinkunst und abgebrochenem Germanistik-Studium. Die Scheibe ist so bemüht gegen den Strich gebürstet, dass über DIY-Charme und die Ausstellung von Gedanken keine echte Bindung entsteht. LE MAGNETOPHONE ziehen ihr Ding unbeeindruckt durch und dafür sollte man dem Kollektiv Respekt zollen. Trotzdem läuft ihre zweite Platte seltsam gefühllos vorüber. Das ist umso bedauerlicher, da das ebenfalls per Crowdfunding finanzierte Debüt „Ne Marche Plus“ – seinerzeit noch als Duo eingespielt – deutlich positivere Impulse freisetzte. Mit diesem unermüdlichen Dagegenentwurf schießt die freigeistige Truppe jedoch zu oft über das Ziel hinaus.

Wertung: (5,5 / 10)

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