Las Bandidas – Kann Rache schön sein! (MEX/E 2008)

las-bandidas„Die Frauen von heute sind definitiv nicht mehr wie unsere Mütter.“ – Felix

Ein Gangster heiratet eine Hure – und ein Killer ist Trauzeuge. Dass in dieser Welt der Gewalt und des Missbrauchs kein trautes Idyll vorherrschen kann, liegt in der Natur der Sache. Schon in der ersten Szene erschießt der Hitman mit dem Spitznamen Babyface (Diego Luna, „Nicotina“) einen Mann auf einem Großmarkt in Mexiko. Die anbei tätigen Arbeiter scheint der Mord nicht zu stören. Man hält sich besser raus. Auffällig ist schon jetzt die Güte der Inszenierung, die durch einfallsreiche Kameraperspektiven und den altgedienten Lichteffekt des nassen Asphalts Stimmung erzeugt.

Mit „Las Bandidas“ legt „Alatriste“-Regisseur Agustín Díaz Yanes eine verschachtelte Räuberpistole vor, die leicht den Schluss eines Tarantino-Plagiats zuließe. Gerecht würde dieser dem ironiefreien wie tempoarmen Film jedoch nicht. Die Komplexität des Handlungsgefüges, beflügelt von scheinbar irrelevanten Zwischenspielen, lässt keinen Raum für Coolness. Die einzige Parallele bleibt der Killer im schwarzen Anzug. Aber den hat Tarantino schließlich nicht erfunden. Ein Thriller ohne „Pulp-“ also, dessen starke Frauen ohne Übertreibung im Sinne der Exploitation auf Rachemission gehen.

Der Gangster heißt Félix (José María Yazpik, „Borderland“), die Hure Ana (Elena Anaya, „Wilde Unschuld“). Er macht ihr den Antrag nach einem Blowjob. Die Spanierin willigt ein. Glücklich wird sie jedoch nicht. Monate später hat sie die kriminellen Aktivitäten des Gatten präzise notiert. Mit ihren drei Freundinnen, Blutschwestern, plant sie Félix auszurauben. Als sie von ihm aber aus einem fahrenden Auto gestoßen wird und ins Koma fällt, gehen die alleinerziehende Gloria (Victoria Abril, „Kika“) und ihre Komplizinnen Aurora (Ariadna Gil, „Appaloosa“), Anas Schwester, und Paloma (Pilar López de Ayala) die Sache allein an.

Zwischen die Fronten gerät bald Babyface, der eigentlich Gabriel heißt. Er zeigt Interesse an Aurora, was das ohnehin gespannte Verhältnis zu Félix zusätzlich belastet. Der Coup der Frauen gelingt. Mit Wagemut und der Hilfe von Peckinpahs „The Wild Bunch“ entwenden sie eine Festplatte, deren Verlust Félix in arge Bedrängnis bringt. Agustín Díaz Yanes lässt sich Zeit für die Entfaltung der Figuren und zieht die Schlinge immer enger um deren Hälse. Der melancholische, durchweg überzeugend gespielte Thriller bleibt erfreulich ernst und angenehm unspektakulär. Nur der doofe deutsche Untertitel „Kann Rache schön sein!“ will mal wieder gar nicht zum Tenor des sehenswerten Filmwerks passen.

Wertung: (7 / 10)

 

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