Land of the Dead (USA/CDN/F 2005)

land-of-the-deadMit „Day of the Dead“ (1985) vollendete George A. Romero seine infernalische Untoten-Trilogie, die 1968 mit „Night of the Living Dead“ begann und zehn Jahre später mit „Dawn of the Dead“ ihre Klimax erklomm. Nun, zwanzig Jahre später, spinnt der Meister seine apokalyptische Saga weiter und injiziert dem Genre mit „Land of the Dead“ abermals frisches Blut. Dass er dabei endlich Gelegenheit hat, Ideen zu visualisieren, die bei „Day of the Dead“ aus finanziellen Gründen undenkbar waren, spricht nur für die Beständigkeit und Wichtigkeit des Filmemachers für das Horror-Kino der Moderne. Doch wer glaubt, Romero würde sich für „Land of the Dead“ dem Mainstream beugen, irrt. Denn der Altmeister präsentiert sich trotz marginaler Verschleißerscheinungen in Hochform und bereichert sein eigenes Oeuvre um manch packende Facette.

Dass dem Kampf der letzten Menschen gegen die untote Übermacht einige entscheidende Wendungen bevorstehen, verdeutlicht bereits die Eingangssequenz. In der ahmen die Zombies einer US-Kleinstadt ihr vergangenes Leben nach und entwickeln sogar ein Erinnerungsvermögen und die Möglichkeit der Verständigung. Und diese nutzt ein infizierter Tankwart (TV-Darsteller Eugene Clark, „Tek War“), um seine Leidensgenossen in den entscheidenden Kampf gegen die ansässigen Menschen zu führen. Die haben sich ganz in der Nähe in einer gewaltigen Stadt verschanzt und führen gegen die umliegenden Städte Beutezüge zur Beschaffung von Lebensmitteln und Waffen durch. Doch brodelt hinter der Fassade der vermeintlich funktionierenden Gesellschaft ein glühender Abgrund.

Die reichen und mächtigen haben sich unter dem Protektorat des zynischen Millionärs Kaufman (Alt-Star Denis Hopper, „Easy Rider“) in einem hochmodernen Gebäudekomplex eingerichtet und begehen ihr Leben in gewohntem Luxus. Außerhalb des schützenden Wolkenkratzers vegetieren verarmte Menschen in Slums und dienen der mächtigen Oberschicht. Als der rachsüchtige Söldner Cholo (John Leguizamo, „Assault on Precinct 13“) den schwer bewaffneten Hi-Tech-Truck ´Dead Reckoning´ in seine Gewalt bringt und droht, das Paradies der Reichen zu zerstören, wird sein einstiger Partner Riley (Simon Baker, „Ring 2“) damit beauftragt, die Katastrophe abzuwenden. Zusammen mit seinem entstellten Partner Charlie (Robert Joy, „The Hills Have Eyes“) und der Amazone Slack (Asia Argento, „B. Monkey“) nimmt Riley die Verfolgung auf. Doch hat sich die Armee der Zombies in der Zwischenzeit Zugang zum Stadtgebiet verschafft. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

George A. Romero zeigt auch mit „Land of the Dead“, warum er der König des Zombie-Films ist. In loser Folge reiht der Genre-Urvater wohl inszenierte Schocks an blutige Splattereinlagen und würzt seinen hintergründigen Albtraum mit trockenem Humor. Zwar gerät ihm die subtile Gesellschaftskritik etwas schleppend, die satirischen Seitenhiebe gleichen derlei Schwächen aber gekonnt aus. Die zahlreichen Gore-Effekte stammen vorwiegend aus dem Computer, was stets sichtbar bleibt, gemessen am knappen Budget jedoch nicht negativ ins Gewicht fällt. Die Masken besorgten Greg Nicotero und Howard Berger („From Dusk Till Dawn“, „Kill Bill“). Romeros langjähriger Weggefährte Tom Savini, der bei den meisten seiner Filme für grausige Visagen und spritzendes Blut sorgte, begnügt sich hier mit einem Gastauftritt als Zombie – und hommagiert seine eigene Darbietung als Biker in „Dawn of the Dead“. Als Referenz an Italiens Maestro der Suspense Dario Argento („Suspiria“), der mit der Veröffentlichung des legendären Euro-Cuts von „Dawn of the Dead“ die südeuropäische Zombie-Welle der späten 70er- und 80er-Jahre ins Rollen brachte, tritt dessen Tochter Asia in der weiblichen Hauptrolle in Erscheinung. Am Rande geistern auch die „Shaun of the Dead“-Macher Simon Pegg und Edgar Wright durch ehrende Untoten-Cameos.

„Land of the Dead“ ist ein schnörkelloser Reißer, der die Fans des Genres überzeugen sollte. Stereotype Figuren und manch schwache Dialogzeile bleiben unter Romeros straffer Direktion entschuldbares Treibgut seiner Post-Apokalyptischen Spaßgesellschaft. Dass dieser schnell das Lachen vergeht, liegt am wenig originellen, obgleich durchweg atmosphärischen Drehbuch des Regisseurs. Ein Meisterwerk hätte wohl niemand erwartet, so dass „Land of the Dead“ im Windschatten des Terror-Revivals um „House of a 1000 Corpses“ und die Remakes von „Texas Chainsaw Massacre“ und „Dawn of the Dead“ frei von Druck zu seinen Vorgängern aufschließen kann. Die Klasse der alten Trilogie hält der Film nicht konstant, doch ist die gelungene Ausweitung zur Quadrilogie ein Merkmal für die Zeitlosigkeit von Romeros Lebenswerk. Und das wird auch zukünftig filmischen Trends und Modeerscheinungen zu trotzen wissen.

Wertung: (7 / 10)

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