Ladykillers (USA 2004)

ladykillers-2004Wenn sich schon am kulturellen Erbe vergangener Kinozeitalter vergriffen werden muss, dann doch bitte wenigstens mit Stil. So dreht sich das Remake-Karussell weiter und weiter, stoppt plötzlich bei Alexander Mackendricks formidabler Krimi-Komödie „The Ladykillers” von 1955 und serviert mit den Gebrüdern Coen gleich die passenden Inszenatoren. Allerdings nur, weil Barry Sonnenfeld („Men in Black”) kurzfristig passen musste und das Projekt fortan lediglich als Co-Produzent begleitete. 60 Millionen investierte Dollar und einige Drehzeit später ist die neueste Ausgeburt des Neuverfilmungswahns im Kasten – und die marginale Vernichtungsmaschinerie großer Kinowerke um eine weitere Ausgeburt reicher.

Als sich der exzentrische Goldthwait Higginson Dorr, Dr. Phil (Tom Hanks, „Forrest Gump”) bei der verschrobenen wie gottesfürchtigen Witwe Marva Munson (Irma P. Hall, „Collateral”) einquartiert, ahnt die alte Dame nichts Böses. Selbst ihren Keller stellt sie dem redseligen Gelehrten und seinen musizierenden Gefährten zwecks Proben von Kirchenmusik zur Verfügung. Doch haben die fünf Männer weniger die Huldigung vergangener musischer Triebfedern, als vielmehr die Erleichterung eines nahegelegenen Casino-Tresors um seinen millionenschweren Inhalt im Sinn. Als die ältliche Südstaatenlady nach erfolgreicher Umsetzung der Tat auf die Schliche des Gaunerquintetts kommt, soll sie sterben. Doch haben die verhinderten Bilderbuchkriminellen die Rechnung ohne die Zähigkeit der rüstigen Dame gemacht.

Haben die Gebrüder Coen ihren Zenit exzentrischer Brillanz bereits überschritten? Fast scheint es, verströmt doch auch „Ladykillers” den Stallgeruch einer unbedeutenden Auftragsarbeit. Zwar vermögen Joel und Ethan Coen („Blood Simple”, „Fargo”) mit der famosen Visualisierung an den Glanz vergangener Werke anzuknüpfen, obgleich das inkonsequent stimmige Skript sowohl hinter dem fulminanten Original als auch dem Standart des genialischen Brüderpaars zurückbleibt. Die Charaktere um den herrlich schrulligen Tom Hanks bleiben bedauerlicherweise entsprechend blass. Ein mit Hitlerbärtchen versehener Asiate (Tzi Ma, „Red Corner”), ein von Reizdarm gepeinigter Detonationsexperte (J.K. Simmons, „Spider-Man”), ein minderbemitteltes Kraftpaket (Ryan Hurst, „Wir waren Helden”) und die großmäulige Inkarnation platter „Hippidy-Hop”-Klischees (Marlon Wyans, „Scary Movie”) mögen für temporäre Situationskomik bürgen, genügen aber schlicht nicht, um „Ladykillers” beständigen Charme zu verleihen.

Die konspirativen „Ladykillers” vom kühlen London in die schwüle der amerikanischen Südstaaten zu verfrachten, erscheint als possierlicher Einfall und persönliche Referenz der Coens an “O’Brother Where Art Thou?”. Doch verweilen nuancierte Finessen in der Umsetzung oftmals im Schatten plumper Klamaukigkeit. Zoten über Reizdärme mögen im Universum von „American Pie” ihren festen Platz finden, bei Joel und Ethan Coen wirken sie mehr als fehl am Platze. Ebenso aufgesetzt mutet das makabre Finale an, in dem der subversive Charakter des Edgar Allen Poe-Verehrers Tom Hanks vom Werke des bewunderten Schreiberlings selbst eingeholt wird.

„Und der Rabe rührt’ sich nimmer, sitzt noch immer, sitzt noch immer auf der bleichen Pallas-Büste überm Türsims wie vorher; und in seinen Augenhöhlen eines Dämons Träume schwelen, und das Licht wirft seinen scheelen Schatten auf den Estrich schwer; und es hebt sich aus dem Schatten auf dem Estrich dumpf und schwer meine Seele – nimmermehr.”

Für das amerikanische Kino der Neuzeit zumindest auf formalem Sektor eine dezente Bereicherung, bleibt „The Ladykillers” im Gesamtwerk der Coen-Brüder lediglich im Rahmen der Mittelmäßigkeit gefangen. So keimt nach „Intolerable Cruelty” bereits zum zweiten Male die berechtigte Hoffnung auf, dass zukünftige Projekte mit weniger Budget mehr Ideen in die Köpfe des virtuosen Brüderpaares injizieren.

Wertung: (5 / 10)

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