Lady Henderson präsentiert (GB 2005)

lady-henderson-praesentiertStephen Frears kann eine ganze Menge. Mal dreht er einen fantastischen Kostümfilm wie „Gefährliche Liebschaften“, mal eine Sinn stiftende Komödie wie „High Fidelity“. Jetzt hat er sich einen klassischen Ensemblefilm vorgenommen – mit den britischen Schauspielergrößen Judi Dench („James Bond 007 – Der Morgen Stirbt Nie“) und Bob Hoskins („Nixon“) in den Hauptrollen.

London in den 30ern: Der Ehemann der in der Gesellschaft geschätzten Laura Henderson (Judi Dench) ist verstorben. Doch das klassische Witwendasein langweilt die Dame von Stand. Um sich abzulenken, kauft sie ein Theater im Londoner West End. Die Leitung überträgt sie Manager Vivian Van Damm (Bob Hoskins), der das heruntergekommene Haus in ein lebhaftes Kabarett verwandeln soll. Der Erfolg geht jedoch so schnell wie er gekommen ist, denn bald imitieren alle anderen Theater am Platz das Konzept. Da kommt Lady Henderson die Idee: Man müsste etwas neues, noch nie da gewesenes präsentieren – nackte Frauen. Der Erfolg ist wiederum durchschlagend. Doch als der Zweite Weltkrieg losbricht und die Nazis London bombardieren, wandelt sich das Theater vom reinen Vergnügungstempel zum nicht zu ignorierenden Faktor für das Durchhalten der Stadtbevölkerung.

Ein Film, der britischer nicht sein könnte. „Lady Henderson präsentiert“ lebt vor allem von seinem gerade in der ersten Hälfte geschliffenem und trockenem Humor. Wie Frears Judi Dench und Bob Hoskins ständig aufeinander losgehen lässt, ist eine wahre Freude. Auch die Bühnenstücke sind durchaus unterhaltsam inszeniert und lockern die sonst vielleicht ein bisschen dünne, aber immerhin auf einer wahren Begebenheit basierende, Handlung immer wieder auf. In Hälfte zwei verliert der Film allerdings etwas an Fahrt. Ein bisschen viel an Durchhalteparolen durchkreuzen das vorher so fröhliche Kammerspiel.

Dieser Schnitt ist extrem rabiat, funktioniert insgesamt aber doch. Und auch wenn’s mal ein bisschen pathetisch wird, verliert der Film dadurch doch nicht seinen Charme. „Lady Henderson präsentiert“ ist ein sehr sympathisches Werk, das den einen oder anderen Programmkinogänger durchaus aus dem Sessel reißen könnte. Die offensichtlich gut gelaunten Darsteller transportieren eine teils enthemmte, teils äußerst nachdenkliche Stimmung. Stephen Frears kann’s eben einfach immer noch.

Wertung: (7 / 10)

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