La Dispute – Wildlife (2011, No Sleep Records)

la-dispute-wildlifeBei LA DISPUTE ist Musik noch Herzensangelegenheit. Gekoppelt ist dies (nicht allein) an Sänger Jordan Dreyer, dessen persönliche, metaphorische und oft lyrische Texte eine nachwirkende Beschäftigung geradezu forcieren. Was er und Bandkollegen eigentlich sagen wollen, erschließt sich selten sofort. Das nährt eine fast mythische Aura, die durch die wandlungsfähige Instrumentierung nur mehr verstärkt wird. Mit Bands wie TOUCHÈ AMORE und DEFEATER gründeten sie die Bewegung The Wave, die als Speerspitze des modernen Post-Hardcore gilt. Damit einher geht eine gewisse Verkopftheit, insbesondere aber auch ein Kunstverständnis, das über den bloßen Unterhaltungsanspruch weit hinausragt.

Ihren Durchbruch feierten LA DISPUTE mit „Wildlife“, ihrem zweiten Langspieler. Auf dem werden flirrend verschachtelte Melodien geboten, die nur selten – so wie bei „Edit Your Hometown“ – den Ausbruch proben. Sie bleiben verzerrt, winden sich in verschiedene Richtungen oder verharren fast entspannt im Augenblick (siehe „Safer in the Forest/Love Song“). Das schroffe Moment steuert Dreyer bei, der wirkt wie ein Erzähler, ein Vorleser, der seine Gedanken und Emotionen durch Instrumente verstärkt an den Zuhörer weitergibt. Sich darauf einzulassen, fällt ungeachtet einer unterschwelligen psychedelischen Note grundlegend nicht schwer.

Erhöhte Konzentration ist trotzdem gefordert, um Stücke wie „Missionary Baptist Church Blues“, „The Most Beautiful Bitter Fruit“ und vor allem das grandiose „King Park“ zu durchdringen. Verglichen mit dem drei Jahre zuvor präsentierten Vorgänger „Somewhere At the Bottom of the River Between Vega and Altair“ gehen es LA DISPUTE eine Spur gediegener und in sich ruhender an. Das hat insgesamt weniger Wucht, aus dem Kopf bekommt man dies beständig zwischen Poesie und Verzweiflung wandernde Werk trotzdem nicht so schnell. Wucht und Anspruch liegen manchmal doch so nah beieinander. Einfach großartig!

Wertung: (8,5 / 10)

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