L.A. Crash (USA/D 2004)

l.a.-crashPaul Haggis machte in den letzten Monaten vor allem durch sein Drehbuch zum diesjährigen Oscar-Abräumer „Million Dollar Baby“ auf sich aufmerksam. Doch der bis dato eigentlich recht unauffällige Schreiberling hatte auch noch ein anderes As im Ärmel, was er auch prompt selbst vefilmte. Im Original lediglich mit „Crash“ betitelt, erzählt Haggis in recht kurz anmutenden 108 Minuten aus dem Leben von verschiedenen Personen, deren Schicksal sich im Laufe des Films eher durch Zufall kreuzt oder eng miteinander verbunden ist.

In einer kalten Nacht werden der Polizist Graham Waters (Don Cheadle) und seine Partnerin Ria (Jennifer Esposito) außerhalb der Stadt zu einem Tatort bestellt. Vor Ort liegt ein junger Schwarzer erschossen abseits der Straße. Wenige Stunden zuvor hatte der junge Mann namens Peter (Larenz Tate) mitsamt seinem Kumpel Anthony (Rapper Ludacris) noch den Wagen des Staatsanwalts Rick Cabot (Brendan Fraser) auf offener Straße geraubt. Dieser hat im Anschluss Mühe, diesen Fall vor der Öffentlichkeit zu verbergen, die nächste Wahl steht schließlich auf der Tagesordnung und mit keiner Bevölkerungsgruppe will er es sich verscherzen.

Aber auch seine Frau Jean (Sandra Bullock) macht ihm das Leben nicht einfach, pendelt sie doch zwischen Unzufriedenheit und Langeweile. Der harte Cop Jack Ryan (Matt Dillon) hält mehr aus Freude denn aus triftigem Grund den Wagen des Regisseurs Cameron (Terrence Howard) mitsamt dessen Frau Christine (Thandie Newton) an, die folgenden sexuellen Übergriffe seines Kollegen kann auch der jüngere Partner von Jack, Tommy (Ryan Phillippe), nicht verhindern. Der Südamerikaner Daniel (Michael Pena) verdient seinen Lebensunterhalt bei einem Schlüsseldienst, sein einziges Ziel ist es, seiner kleinen Tochter ein Leben abseits von Gewalt und Armut zu bescheren. In purer Verzweiflung sucht ihn jedoch einer seiner letzten Kunden auf, der Ladenbesitzer Farhad (Shaun Toub), dessen Geschäft ausgeraubt wurde und der Daniel verdächtigt, nicht sauber gearbeitet zu haben.

Angesichts der Menge von unterschiedlichen Figuren und Schicksalen erscheint die Laufzeit von knapp über 100 Minuten recht kurz, Regisseur Paul Haggis versteht es jedoch, jede einzelne Sekunde genau zu nutzen. Seine namhafte Darstellerriege weiß ihn in diesem Punkt zu unterstützen, angefangen beim wieder einmal fabelhaften Don Cheadle („Hotel Ruanda“) über den fast vergessenen Matt Dillon („Factotum“), der neben Cheadle zu den absoluten Gewinnern zu zählen ist, oder aber auch Sandra Bullock („Speed“), die die hysterische Frau des abgeklärten Staatsanwalts – verkörpert von Brendan „Die Mumie“ Fraser – überzeugend mimt. Hinzu kommt ein überraschend guter Auftritt des Rappers Ludacris („2 Fast 2 Furious“), Larenz Tate („Menace II Society“) mal wieder mit mehr Licht als Schatten oder Thandie Newton („Mission Impossible 2“).

Ähnlich angelegt wie „Short Cuts“ oder „Magnolia“ verknüpft auch Paul Haggis die verschiedenen Erlebnisse seiner Protagonisten und auch wenn diese sich teilweise nie zu Gesicht bekommen, behält er stets den Überblick und überfordert den Zuschauer nicht mit zu vielen Handlungssträngen. Über allem schwebt offener, latenter oder auch missverstandener Rassismus, unabhängig von der Hautfarbe. Dies mag zu Beginn ein wenig aufgesetzt wirken, jedoch hat jede Person im Film seine eigenen Erlebnisse, die einen Menschen verändern lassen. Besonders deutlich wird dies am Arbeitsplatz von Terrence Howard („Hustle & Flow“), der sich von seinem weißen Vorgesetzten seine Arbeit diktieren lassen muss, obwohl über das Ergebnis nicht diskutiert werden müsste. „L.A. Crash“ ist melancholisch und traurig, regt zum nachdenken an und unterhält wiederum ganz hervorragend. Dazu tragen gute Darsteller sowie eine überzeugende Inszenierung bei. Emotionale, nahe gehende Momente hat der Film einige zu bieten – und ist für Liebhaber anspruchsvoller Kost uneingeschränkt zu empfehlen.

Wertung: (8,5 / 10)

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