Krieg der Götter (USA 2011)

krieg-der-goetterAls Regisseur stellt Tarsem Singh („The Fall“) Optik und Ausstattung seiner filmischen Visionen hinter der Erzählung – und damit indirekt auch dem Unterhaltungswert – zurück. Dass ausgerechnet ihm die Regie für das Historientheater „Krieg der Götter“, im Original weniger martialisch „Immortals“ benannt, übertragen wurde, darf schon ein wenig stutzig machen. Die auf dem Plakat beworbene Beteiligung der Macher von „300“, jener überstilisierten Comicverfilmung, mit der Zack Snyder die Antike als körperbetont artifizielles Schlachtengemälde inszenierte, weckt Erwartungen, die Singh weder erfüllen kann noch will.

Action- und Blockbuster-Puristen, die es nach effektreichem Bombast und Kampfgetümmel dürstet, sollen aber ebenso angesprochen werden wie Freunde des gehaltvollen Films. Auf ihre Kosten kommt aber weder die eine noch die andere Gruppe. Zwar sind die sporadischen Schlachtszenarien mit üppigem Einsatz von Zeitlupen und CGI-Blut in die künstlich theatralischen Computersettings eingepflegt, die blassen Figuren und mit ihnen letztlich auch die allzu simple Geschichte bleiben aber lediglich Beiwerk des opulenten Bilderreigens. Den Eindruck des verwässerten Kompromisskinos, das es verschiedenen Zuschauerzirkeln recht machen will, kann der Film damit zu keiner zeit entkräften.

Im vorchristlichen Griechenland rächt der unbarmherzige König Hyperion (Mickey Rourke, „Iron Man 2“) den Siechtod von Frau und Kind. Weil die Götter sein Flehen nicht erhörten, will er mit Hilfe eines magischen Bogens die im Berg Tartarus gefangenen Titanen befreien. Denn nur sie sind den Göttern des Olymps im Kampf gewachsen. Auf der Suche nach dem Bogen verwüstet Hyperion das Land. Aufschluss über den Verbleib der Wunderwaffe erhofft er sich vom virginen Orakel (Freida Pinto, „Slumdog Millionaire“), das im Bauern Theseus (Henry Cavill, „The Tudors“) aber das Potenzial erkennt, dem Tyrannen Einhalt zu gebieten. Mit einer Gruppe treuer Gefährten (u.a. Stephen Dorff, „Somewhere“) wirft sich Theseus in den Kampf.

Die vom Olymp observierenden Götter könnten Hyperion und seine Armee im Handstreich vernichten. Aber Göttervater Zeus (Luke Evans, „Kampf der Titanen“), der Theseus in der unscheinbaren Menschengestalt von Altstar John Hurt („Der Elefantenmensch“) auf seine Rolle vorbereitete, mahnt zur Zurückhaltung. Erst die Befreiung der Titanen würde das Eingreifen der schillernd kostümierten Überwesen erfordern. Worauf der Film damit hinausläuft, liegt vom Fleck weg auf der Hand. Die inhaltlichen Mängel aber lassen sich mit erlesener Optik allein nicht übertünchen. Zumal religionskritische Ansätze im Sinne moderner Demokratie als zweckfremdes Gewäsch abgetan werden. Der „Krieg der Götter“ bleibt eindrucksvoll gestaltet, ist im Kern aber so hohl wie der eiserne Stier, in dem Hyperion seine Feinde zu Tode brutzelt.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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