KMPFSPRT – Intervention (2016, People Like You Records)

kmpfsprtinterMit „Jugend Mutiert“ haben KMPFSPRT eines der besten der deutschsprachigen Punkrock-Alben der letzten Jahre hervor gebracht. Nicht so häufig werden Wut und Ironie, Rotz und Eingängigkeit so packend und leidenschaftlich vermengt, wie es die Kölner auf ihrem 2014-er Debüt geschafft haben. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Mit Nico van Hamme ist ein neuer Drummer an Bord (mit dem die Meyer-Brüder bereits vor anderthalb Dekaden bei SUMMERS LAST REGRET spielten). People Like You heißt zudem die neue Labelheimat, was definitiv für größere Aufmerksamkeit sorgen sollte.

Was gleich auffällt, der Gesang ist klarer. Der Rotz in Richard Meyers Stimme war auf dem Debüt dominanter und kommt auf „Intervention“ – zum Teil deutlich – weniger zum Vorschein. Zwar macht er auch in den klareren Passagen nichts falsch, doch ein bisschen Identität geht dadurch verloren. Schade.

Mit „Ich hör die Single nicht“ wurde bereits vor Wochen ein erster Song samt Video vorgestellt. In ironischer Manier widmen sich KMPFSPRT hier den Mechanismen der Musikindustrie. Dabei haben sie selbst mit „Lichter“ oder „2014 24/7“ absolut radiotaugliches Material an Bord. Bereits in den vergangenen Monaten haben sich KMPFSPRT eindeutig zur Flüchtlingspolitik und rechten Auswüchsen geäußert. Mit „Antithese“ gibt es dazu einen starken, auf den Punkt gebrachten Beitrag. Lediglich die OhOh-Chöre gen Ende wirken etwas gewöhnungsbedürftig. Neben dem knackigen Opener „Soundtrack zum Aufprall“ oder dem Titeltrack „Intervention“ gehört „Wir bleiben wach“ zu den interessantesten Songs des Albums. Das gesangliche Wechselspiel mit weiblicher Gastsängerin wirkt inmitten lauter wie leiser Passagen auf den ersten Blick ein bisschen plump, entwickelt aber dann eine ganz eigene, melancholisch anmutende Stimmung.

Eines kann man auf jeden Fall sagen. „Intervention“ ist kein „Jugend Mutiert 2.0“. KMPFSPRT gehen neue Wege, klingen vielseitiger, klarer und melodischer. Das wird den einen oder anderen vielleicht verschrecken, wenn der Rotz jüngerer Tage nicht mehr so einfach aus den Boxen trieft. Dafür gewinnen sie für jeden Abstinenzler sicherlich zwei neue Anhänger dazu. Es sei ihnen definitiv gegönnt.

Wertung: (7 / 10)

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