Kill Kill Faster Faster (GB/NL 2007)

kill-kill-faster-fasterDie Kommentare des Ich-Erzählers, entrückt, lakonisch, wiegen schwer wie Blei. Sie umreißen ein verpfuschtes Leben, eines das sich nach fatalen Tiefschlägen doch immer wieder aufrafft. Im Knast hat Joey One-Way (Gil Bellows, „Ally McBeal“) ein Theaterstück geschrieben, „Weißer Mann, Schwarzes Loch“, und damit mächtig Staub aufgewirbelt. Nun wird der wegen Mordes an seiner Frau verknackte Ex-Junkie auf freien Fuß gesetzt. Für einen auf seinem Werk basierenden Film soll er das Drehbuch schreiben.

„Kill Kill Faster Faster“ ist eine geschwätzige und in ihrer nihilistischen Grundierung ungemein selbstgefällige Charakterstudie. Es ist der Chic der Provokation, der Reiz des menschlichen Abgrunds, über den Langfilmdebütant Gareth Maxwell Roberts Interesse schindet. Joeys Gönner ist Markie (Esai Morales, „NYPD Blue“), Produzent des Filmprojekts, der ihn in die New Yorker Schickeria einführt. Der Glamour aber ist nur eine schillernde Fassade, hinter der ein gebrochener Mann versucht sich aufzurichten.

Roberts findet für die Adaption des Romans von Joel Rose die richtigen Bilder. Sie vermitteln jene Tristesse, die die Schauspieler kaum imstande sind mit mimischen Mitteln auszudrücken. Der gegen sein Image anspielende Bellows ergeht sich in Minimalismus und trägt eine in Stein gemeißelte Maske auf. Überzeugend wirkt das kaum. Er verstrickt sich in eine Affäre mit Markies Gattin Fleur (Lisa Ray, „Bollywood/Hollywood“). Dies Hintergehen des gemeinsamen Partners läutet für beide den Abstieg ein. Dazwischen wird in Rückblicken das Scheitern Joeys skizziert und die Frau ins Spiel gebracht, die ihm Zwillinge schenkte und durch seine Hand starb.

Die kopflastige Sinnsuche ist überfüllt mit eingebildetem Anspruch, Freizügigkeit, Gewalt. Die Erinnerung des unerbittlichen Knastalltags bringt die Erniedrigung zum Vorschein. Unter der Dusche endet eine versuchte Vergewaltigung mit dem Verlust des Schwengels – und einem Schiss ins Gesicht. Aber warum eigentlich? Mit vielen Worten sagt dies hohle Independent-Drama einfach nichts aus. Die Tragik des Finales ist absehbar, nur verfehlt sie ihren Zweck. Die Schicksale lassen kalt, die unterdrückten Emotionen der Protagonisten schüren lediglich die Verweigerung vor einem Film, der so gern schockieren würde. Nur steht ihm dabei die pure Langeweile im Wege.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Strays – Blutige Krallen (USA 1991)

    Scheidungsanwalt Paul Jarret (Timothy Busfeld, „Quiz Show“) zieht mit Frau (Kathleen Quinlan, „Breakdown“), Töchterchen und Schoßhund aufs Land. Was die Maklerin jedoch verschweigt ist, dass die Vorbesitzerin des sanierungsbedürftigen Hauses von Katzen zerfleischt wurde. Bald beanspruchen die wilden Stubentiger auch den Besitz der Familie Jarret und beseitigen, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, den Monteur…

  • Warriors of the Rainbow (TW 2011)

    Das Kino hilft bewährtermaßen beim Gedenken an Nationalhelden. Auf Pathos setzt dabei nicht allein Hollywood, schließlich soll der kämpferische Einsatz für die Heimat auch entsprechend emotional transportiert werden. Deutschland ist da aus historisch nachvollziehbaren Gründen – zumindest bezogen auf die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts – außen vor. Ähnlich verhält es sich mit Japan, dessen…

  • An Inspector Calls (GB 2015)

    Eine junge Frau begeht Selbstmord. Sie stammt aus der Unterschicht. Wesentlich ist diese Information vor allem im Zusammenspiel mit der Jahreszahl 1912. Denn die gesellschaftliche Kluft in dieser Zeit war enorm, eine Aufstiegschance für die oft in Armut lebende Arbeiterklasse praktisch ausgeschlossen. Macht und Reichtum wurden von denen verteidigt, die reichlich davon hatten. Soziale Grundsicherung…

  • Dark Water (USA 2005)

    Seit dem Erfolg von „The Ring“ ist der Japanische Gruselfilm Hollywoods Gänsehautgarantie. Mit dem Remake zu „Dark Water“ (2002) zeigen sich allerdings erste Abnutzungserscheinungen. Denn die arg verwässerte US-Interpretation von Kôji Suzukis („Ring“) ohnehin nur geringfügig originellem Skript nimmt sich zu wenig Raum für eigene Impulse. Befangen im erfolgsverwöhnten Trend, den Originalen eine kostenintensive Verwestlichung…

  • The Demon Hunter (USA 2016)

    Dolph Lundgren und der schwarzäugige Dämon, Runde zwei. Die erste bestritt der rüstige B-Recke in „Knight of the Apocalypse“ (1998). Damals bekam es der Schwede mit einem Handlanger des Teufels zu tun, der in menschliche Wirtskörper einfuhr, um allerlei Unheil anzurichten. Einen ähnlichen Weg beschreitet auch „The Demon Hunter“, dessen Prämisse durch den Originaltitel „Don’t…

  • Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (USA 2013)

    „I’m on fucking vacation.“ – Urlauber im Dauerstress: John McClane Immer wieder ist John McClane zur richtigen Zeit am falschen Ort. Oder zur falschen Zeit am richtigen Ort. Das geht nun schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert so. In dieser Zeit ist Bruce Willis, der McClane Durchbruch und Weltruhm verdankt, sichtlich gealtert. Gleiches gilt auch…